Niklas Wieczorek

Niklas Wieczorek

Trendblogger-Jahrgang 2012/2013 Schweden steht für endlose Wälder und Seen; die Natur bestimmt dieses Land. Gleichzeitig gilt es als eines der innovativsten und offensten im Bereich der Technik und Neuer Medien. Wer kennt oder nutzt nicht Skype oder Spotify? Wie das zusammenpasst, möchte ich in meinem Auslandssemester in Stockholm gerne herausfinden - und meine Erfahrungen mit euch teilen.


Wie Daten Steuern

Bewahren Schweden noch die Übersicht über ihren Datenstrom?

Bewahren Schweden noch die Übersicht über ihren Datenstrom?

Seit 1776 bestimmt ein Gesetz namens Öffentlichkeitsprinzip den Informationsfluss in der schwedischen Gesellschaft. Doch lässt sich diese öffentliche Zugänglichkeit von Daten auch auf moderne Medien übertragen? Schweden haben ein schwieriges Verhältnis zum Datenschutz im Internet.

Es klingt nahezu unglaublich: „Steuererklärung per SMS“, titelt der Skandinavien-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Gunnar Herrmann, aus Malmö. In Schweden sei die Steuermoral höher, Gesetze und Regelungen einfacher – viele Schweden nutzten daher einen Service des Skatteverket (Finanzamt) und segnen die von der Behörde vorgegebene Steuerklärung einfach per SMS ab.

Diese Einfachheit hat nichts mit dem Bierdeckel-Gassenhauer von Friedrich Merz zu tun. (Wer erinnert sich überhaupt noch daran?) Stattdessen bedient sich die staatliche Behörde der Daten ihrer Bürger, bei Banken und Versicherungen. Weil sie es kann. Und weil jeder Schwede sie lässt. Doch es gibt Zweifel, ob dieses Modell nicht langsam außer Mode gerät. (mehr …)



Memento mori, Memoto

Kleiner Kasten – großer Effekt: Die Memoto-Kamera knippst bei Wunsch alle dreißig Sekunden. - Bild: Memoto

Kleiner Kasten – großer Effekt: Die Memoto-Kamera knippst bei Wunsch alle dreißig Sekunden.
– Bild: Memoto

Das Quantified Self erfasst sein Leben statistisch. Diesen Trend übertrifft nur noch das Lifelogging. Dabei wird das gesamte Leben aufgezeichnet. Was wie ein typisches Phänomen unserer Zeit wirkt, stößt an moralische Grenzen. Die werden deutlich an der schwedischen Kamera Memoto.

Mit einem schrillen Ton reißt mich der Wecker morgens aus dem Schlaf. Verpennt drehe ich mich noch einmal um, taste mit dem langen Arm nach dem Gerät, um das nervige Geräusch auszustellen – und schaue direkt in eine Memoto-Kamera… Klick. (mehr …)



Nach den Stockholmer Krawallen: Übers Netz in die Demokratie

Ausgebrannte Autos: Kann man Frustrierte über Soziale Medien in die Demokratie integrieren? - Photo: M. Joedicke

Ausgebrannte Autos: Kann man Frustrierte über Soziale Medien in die Demokratie integrieren?
– Photo: M. Joedicke

Wie immer: Mit seiner großen demokratischen Tradition wird Schweden auch als ein politisches Vorbild verstanden. Doch die Krawalle frustrierter Jugendlicher um Stockholm in der vergangenen Woche schrien geradezu, dass einige in dieser Demokratie vergessen wurden. Können Soziale Medien Abhilfe schaffen?

Schweden gilt vielen als das Musterland demokratischer Partizipation. Bei den letzten Wahlen zum Schwedischen Reichstag lag die Beteiligung bei hierzulande unvorstellbaren 82 Prozent. Bis in der letzten Woche in Stockholms Vororten Autos brannten – und sich niemand erklären konnte, warum es auch in Schweden einen Anteil in der Gesellschaft gibt, der sich so Gehör verschaffen möchte. Sofort entbrannten die Diskussionen, wie die Frustrierten besser in die Gesellschaft integriert werden könnten. Manche stießen auf das Internet als Lösung.

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Wie innovativ sind die Schweden?

Innovation auf Schwedisch. Die letzte Woche einer Ausstellung in den Nordischen Botschaften beginnt

Innovation auf Schwedisch. Die letzte Woche einer Ausstellung in den Nordischen Botschaften beginnt

Noch bis zum 3. Mai kann man sich im Berliner Felleshus der Nordischen Botschaften die Ausstellung „Innovative Sweden“ anschauen. Wer also wissen will, warum sich die Schweden nach alltagspraktischen Dingen wie dem Dreipunktgurt, dem Reißverschluss oder der Celsius-Skala oder medialen wie dem Mobilfunk, der SMS, Skype oder Spotify noch weitere Innovationen zutrauen, sollte sich nach Berlin begeben.

Die letzte Woche der Ausstellung gipfelt darüber hinaus in einer Finissage. An diesem Tag werden die Ergebnisse eines Innovationsworkshops zum Thema:

Wie können künstlerische Interventionen sowohl Effektivität als auch Motivation erhöhen und damit die Unternehmenskultur stärken?

vorgestellt. Eine Anmeldung zu diesem Event ist möglich unter [email protected]. Wer sich vorab noch weiter informieren möchte, dem sei die Website der Schwedischen Botschaft und dieser Beitrag von der Homepage des NORR-Magazins ans Herz gelegt. Außerdem gibt es hier den offiziellen Flyer der Ausstellung.



Die Klarheit aus Norwegen

Norwegische Aufgeräumtheit: Das Osloer Opernhaus vor dem Sitz von Aftenposten (hinten links)

Norwegische Aufgeräumtheit: Das Osloer Opernhaus vor dem Sitz von Aftenposten (hinten links)

Wie erreiche ich die Aufmerksamkeit der Leser? Diese Kernfrage stellen sich Journalisten jeden Arbeitstag. Das Internet stellt dabei neue Herausforderungen – aber auch Erleichterungen. Auf der Suche nach Lösungen: Ein langer Streifzug durch die skandinavischen Zeitungsseiten und ein modernes Beispiel.

So ein Mist! Schon wieder den Anschluss verpasst. Enttäuscht stehe ich an der U-Bahn-Haltestelle Slussen in Stockholm und schaue mich halb genervt, halb neugierig um. Die Menschen neben mir sind ausnahmslos mit Ihren Smartphones beschäftigt – keine Seltenheit in diesem Land. Sie scheinen sehr beschäftigt und gebannt von dem, was sie da sehen. Kommunikation Fehlanzeige. Zumindest nicht mit mir. Ich drehe mich herum – und entdecke etwas fast Vergessenes: einen Zeitungsstand. Wie magisch angezogen trete ich näher…

Über Jahre, vielleicht Jahrzehnte war dies die Hauptpräsentations- und Vergleichsfläche für Wortjournalisten. Nur am Zeitungsstand, Kiosk oder der Bahnhofsbuchhandlung konnte man die Schlagzeilen, Nachrichten, Bilder und deren Aufmachung der unterschiedlichen Blätter miteinander vergleichen. Anders heute: Vermutlich bilden die Leute mit den Smartphones neben mir die Mehrheit, wenn es um den Zugang geht, über den die meisten journalistischen Nachrichten an den Leser gelangen. Und doch ist etwas unveränderbar.

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Wie werde ich zur Marke?

Der mit dem Sprachrohr: Jeder fünfte schwedische Journalist bewirbt sich über soziale Medien

Der mit dem Sprachrohr: Jeder fünfte schwedische Journalist bewirbt sich über soziale Medien

Keine Frage: Soziale Medien gehören heute zum Berufsalltag des Journalisten. Denn was in der Gesellschaft eine zentrale Rolle spielt, sollte auch für mich als Schreiber wichtig sein. Doch mit welcher Absicht ist der Einsatz von Social Media eigentlich legitim?

Wie gewinnt ein Journalist Ansehen? Durch gut recherchierte Stücke? Durch investigatives Vorgehen? Durch deutliche Präsenz? Oder durch eine formidable Vermarktung? An anderer Stelle habe ich bereits die Frage nach dem offenbaren Vertrauensvorsprung schwedischer Fernseh- vor Pressejournalisten aufgeworfen. Woher dieses Ungleichgewicht rührt, kann ich an dieser Stelle allerdings nicht beantworten.

Vielmehr warf die Nachfrage von Karin, das ebenfalls von der Medieakademin herausgebrachte Twitterbarometer mit dem Vertrauensindex zu vergleichen, folgende Frage auf:

Zu welchem Zweck ist der Einsatz von Social Media im Journalismus eigentlich vertretbar?

 

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Trotz Abgesang: Fernsehen genießt höchstes Vertrauen in Schweden

Rundfunk weiterhin hoch im schwedischen Vertrauenskurs (Quelle: http://www.welcom.se/fortroendebarometern2013.pdf)

Rundfunk weiterhin hoch im schwedischen Vertrauenskurs
(Quelle: http://www.welcom.se/fortroendebarometern2013.pdf)

Das aktuelle Thema im Monatsdossier der Trendblogger heißt „Journalisten als Marken“. In Schweden wird das beim Wort genommen und von der Medieakademin und dem Meinungsforschungsinstitut TNS SIFO ein jährlicher Vertrauensindex herausgegeben: mit einer Rangliste von Journalisten.

Nach dem Förtroendebarometer genießt dabei der gesellschaftskritische Journalist Janne Josefsson vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen svt die größte Wertschätzung unter den schwedischen Kollegen. Bekannt wurde der 60-Jährige aus der Nähe von Göteborg durch die so genannte Wahlstubenreportage, in der Politikern ein gewisser Alltagsrassismus nachgewiesen wurde.

Befragt für das Vertrauensbarometer (außerdem interessant und ebenfalls von der Medieakademin: Twitterbarometern) wurden Mediennutzer, ob sie eine Person in der schwedischen Presse, Radio, Fernsehen oder digitalen Medien besonders schätzten. Beeindruckend ist für mich, dass unter den ersten zehn Platzierungen sechs aus dem TV-Bereich (svt) stammen. Hat die von uns gestellte Frage nach der Zukunft und den Innovationsmöglichkeiten des Fernsehens also keine unmittelbare Auswirkung auf die Reputation der Gesichter dieses Mediums? (mehr …)

Stockholm,


Innovation nur durch Integration

Schwarzer Fernsehschirm dank Internet: Eine Frontstellung?

Schwarzer Fernsehschirm dank Internet: Eine Frontstellung?

IKEA – die schwedische Botschaft unter den Unternehmen – überraschte im vergangenen April mit der Ankündigung, jetzt auch Fernseher ins Angebot aufzunehmen. Mich quält dabei weniger die Angst vor fehlenden Schrauben als die Frage: Hat dieses Gerät überhaupt eine Chance gegen das Internet?

Spätestens Kinder der 70er kennen das TV-Gerät als bestimmendes Alltagsmedium. Seit dieser Zeit ist der Fernsehkonsum in Deutschland fast kontinuierlich gestiegen, erreichte zuletzt fast vier Stunden pro Tag. Doch in Schweden sinkt die Fernsehzeit junger Menschen zwischen 15 und 24, von 2009 bis 2011 nahm sie um 18 Minuten ab: zu Gunsten des Internets. Doch ist wirklich ein Kampf zwischen den zwei Medien zu erwarten?

Carolina Nyman, Chefin einer Filiale der skandinavischen Möbelkette Bolia bestätigte gegenüber Dagens Nyheter, dass es einen neuen Trend bezogen auf den Status des Fernsehens gibt: Viele Kunden träumten von einer Möblierung, die vom Möbeltrend der 50er und 60er inspiriert sei – wo der Fernseher noch kein „Hausgott“ war. Warum bringt IKEA also gerade jetzt Möbel mit integriertem Fernseher auf den Markt? (mehr …)