Strasbourg,

Trendblogger-Jahrgang 2012/2013
„Welkumma en unsrem scheena Strossburi“ heißt es für mich. Der Dialekt verrät es bereits: Aus dem Herzen Frankreichs werde ich nicht schreiben. Dafür allerdings aus dem Herzen Europas: Mit ihren vielen europäischen Institutionen bezeichnet sich Straßburg nämlich selbst als „Hauptstadt Europas“. Der Job hat mich über die Grenze verschlagen und wegen der Vielfältigkeit der kulturellen Einflüsse bin ich geblieben. Beste Voraussetzung also, um nicht nur über französische sondern auch über europaweite Medientrends zu berichten.



Nackt durch den Schnee

Nackt und ohne Geld unterwegs? Nans und Mouts haben sich kurzerhand ihre eigenen Klamotten hergestellt und reisen per Anhalter

Nackt und ohne Geld unterwegs? Nans und Mouts haben sich kurzerhand ihre eigenen Klamotten hergestellt und reisen per Anhalter

Manchmal passiert es so ganz nebenbei, dass Menschen zu Marken werden. Für Nans Thomassey und Guillaume Mouton (kurz: Nans und Mouts) stand zunächst das Reisen im Vordergrund. Dass sie damit ins Fernsehen kamen war eher Zufall. Ihre auf Reisen gefilmten Erlebnisse wurden als „Nus & Culottés“ (Nackt & frech) auf dem französischen Fernsehsender France 5 ausgestrahlt und waren so erfolgreich, dass inzwischen schon an der zweiten Staffel gearbeitet wird.

Im Fernsehen sind Marken längst ein fester Bestandteil: Sie vermindern für die Fernsehmacher das Risiko, eine finanzielle Bruchlandung hinzulegen. So werden nicht nur Schauspieler zu Marken, ganze Formate werden zu nimmerendenwollenden Dauerschleifen umgewandelt. James Bond, Toy Stories, Stirb langsam, Shrek – sie alle kehren immer wieder auf die Leinwände zurück. Nicht umsonst übernahm Disney im letzten Jahr für über vier Milliarden Dollar Lucasfilm und plant nun neben weiteren Star Wars-Episoden eigene Filme für einzelne Star Wars-Helden.

Nackt und frech mit Kameras unterwegs

Nans und Mouts in Marokko. Ihr Ziel: Eine Oase in der Sahara

Nans und Mouts in Marokko. Ihr Ziel: Eine Oase in der Sahara

Nicht immer müssen Marken so teuer wie im Falle Disney und Lucasfilm sein. Manchmal brauchen die Macher fast gar nichts. Nans Thomassey und Guillaume Mouton (kurz: Nans und Mouts), die in Frankreich mit der selbst gedrehten Serie „Nus & Culottés“ (Nackt & frech) bekannt wurden, stapften zunächst nackt und lediglich mit drei Kameras ausgerüstet durch den Schnee, bevor sie schließlich in einem Ballon in der Auvergne in den Himmel stiegen. Ihre Idee: Sich ohne Geld, Lebensmittel, selbst ohne Kleidung einen Traum zu erfüllen. Sei es die besagte Ballonfahrt oder zum Tee bei einem englischen Lord einzukehren – alles ist möglich. Ihr Weg ins Fernsehen war dabei eher zufällig. „Wir reisen beide gerne – am liebsten alternativ mit wenig oder sogar ganz ohne Geld“, sagt Nans. „Die Idee des alternativen Reisen haben wir in einer gemeinsamen Reise innerhalb Frankreichs ins Extreme geführt: Wir sind komplett nackt und nur mit Messer und einem Fotoapparat ausgerüstet losgezogen, mit dem Ziel, am Ende in einem Pariser Club tanzen zu gehen“. Das funktionierte tatsächlich und aus den Aufnahmen von unterwegs entstand ein erstes kurzes Amateurvideo. Eine Produktionsfirma zeigte Interesse an dem Konzept uns so nahmen sich die beiden neue Ziele und Länder vor und bereisten für die erste Staffel von „Nue & Culottés“ nicht nur Frankreich, sondern auch England, die Niederlande und Marokko. Dort besuchten sie nicht nur einen Lord, sondern übernachteten unter anderem in einer Oase in der Sahara.

Die schwierigste Situation auf ihren Reisen? Ein schrottreifer Van …

Vom schrottreifen Van zum Tourbus: Nans und Mouts steckten jede Menge Arbeit und Energie in die alte Schrottkiste, bevor diese wieder fahrbar wurde.

Vom schrottreifen Van zum Tourbus: Nans und Mouts steckten jede Menge Arbeit und Energie in die alte Schrottkiste, bevor diese wieder fahrbar war.

Was nach jeder Menge Spaß und Abenteuer klingt, muss allerdings auch gut vorbereitet sein: „Da man nie weiß, was passieren wird, muss man sich innerlich auf ein Abenteuer einlassen – und davor natürlich gut essen, trinken und schlafen“, erzählt Nans. Auch der Ausgangspunkt des Abenteuers muss strategisch gewählt sein: Die Reise sollte außerhalb eines Dorfes oder einer Stadt beginnen, damit man die Einheimischen nicht schockt, wenn man so nackt durch die Gegend spaziert bevor man sich selbst aus Naturmaterialien oder Abfall die erste Kleidung hergestellt hat. Und noch eine Sache ist wichtig: Das Ziel sollte so motivierend sein, dass damit auch schwierige Situationen auf dem Weg dorthin überwunden werden können. Nans erinnert sich noch, als sie auf ihrer Reise in die Auvergne einen schrottreifen Van geschenkt bekamen und diesen fahrtauglich machen wollten: „Über eine Woche lang haben wir unsere volle Energie in diesen Van gesteckt, ohne Geld, ohne Material und ohne Kenntnisse und ohne zu wissen, ob wir es je schaffen würden, den Van zu reparieren,“ erzählt er rückblickend. Sie gingen damit ein hohes Risiko ein, denn für die Reparatur des Vans investierten sie nicht nur jede Menge Zeit und Energie, sondern auch Speicherkapazität ihrer Kameras. Der Kameraspeicherplatz wäre jedoch verloren gewesen, hätten sie den Van letztendlich aus der Dokumentation raus lassen müssen.

Redet man eine Weile mit Nans, merkt man: Zum Erfolg der beiden hat nicht nur Verrücktheit, sondern auch harte Arbeit und Erfahrung beigetragen. Belohnt wurden sie mit jeder Menge neuen Bekanntschaften und Erlebnissen: Übernachtung bei Klosterbrüdern, Einführung ins Töpfern, spontane Straßenkonzerte, Schlafen in einer alten Burgruine – alles Dinge, die ein All-Inklusive-Urlaub nie so bieten könnte.

Bisweilen bauen sich die beiden Abenteurer ihr Transportmittel auch selbst ...

Bisweilen bauen sich die beiden Abenteurer ihr Transportmittel auch selbst …

Und noch etwas ist wichtig, will man den Erfolg von Nans und Mouts erklären. Ihr Motto: Niemals aufgeben. Auch wenn der Schneemann, den die beiden in den französischen Alpen bauen, nicht größer als vielleicht zehn Zentimeter geworden ist, die beiden bauen ihn voller Inbrunst und detailversessen. Der Tee mit einem echten englischen Lord? Er findet nicht auf die feine englische Art statt, wie man sich das vielleicht ausmalen möchte. Stattdessen treffen sie den Lord im Bademantel an, aus dem Tee wird ein Schluck Wein. Aber: Auf irgendeine Art schaffen es die beiden immer, ihr Ziel zu erreichen.

Gibt es einen Traum, den sich Nans und Mouts auf ihren Abenteuern noch nicht erfüllt haben? „Wir sind per Anhalter schon mit Auto, Schiff und sogar mit dem Flugzeug unterwegs gewesen – per Anhalter unter Wasser zu reisen fehlt uns noch“, meint Nans lachend.

In Deutschland würden die beiden übrigens auch gerne mal auf Reise gehen, allerdings fehlen ihnen derzeit noch die Ideen für interessante Ziele. Wenn ihr also welche habt, dürft ihr sie gerne per Kommentar einreichen. Ich leite sie dann weiter.

Bilder: © Bonne Pioche / Nans & Mouts

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