Die Webseite POPSTAR misst, wie häufig auf Twitter, Nachrichtenseiten und Blogs über portugiesische Politiker diskutiert wird. Das Tool unterscheidet auch zwischen negativen und positiven Einträgen – und liefert so in Echtzeit politische Stimmungsbilder.
Forscher mehrerer portugiesischer Universitäten haben ein Tool entwickelt, das misst, mit welcher Häufigkeit Spitzenpolitiker auf Online-Nachrichtenportalen, Blogs und Twitter erwähnt werden. Das Projekt nennt sich POPSTAR (Public Opinion and Sentiment Tracking, Analysis, and Research) und wird seit 2012 mit jährlich 100.700 € von der Stiftung für Wissenschaft und Technologie unterstützt.
Die relative und absolute Online-Präsenz der Politiker wird auf der Website unter dem Stichwort BUZZ aufgeführt. Richtig interessant wird es in der Kategorie SENTIMENTO (Gefühl). Dort wird mit Hilfe eines linguistischen Analysetools gemessen, wie viele Tweets über die jeweiligen Politiker positiv, negativ oder neutral sind. So kann man dann zum Beispiel live mitverfolgen, wie die Reaktionen zu einer Rede des portugiesischen Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho auf Twitter ausfallen.
Unter SONDAGENS (Umfragen) bietet die Seite eine klassische Übersicht zur aktuellen Popularität von Politiker und Parteien. Wie auch in den anderen Kategorien, wird diese in bunten Grafiken dargestellt, bei denen man individuell den gemessenen Zeitraum einstellen sowie Politiker hinzufügen oder entfernen kann. Im hauseigenen Blog werden die wichtigsten Entwicklung der Woche noch einmal ausführlich diskutiert.
Mit POPSTAR in die Zukunft schauen
Das Projekt ist bisher nur ein Prototyp. Laut Pedro Magalhães, Politikwissenschaftler und hauptverantwortlich für POPSTAR, ist ein Ziel für die Zukunft, die Verknüpfung der verschiedenen Indikatoren. Dadurch erhofft sich der Wissenschaftler genauer zu verstehen, wie öffentliche Meinung im Internet entsteht und sich entwickelt. Theoretisch kann man so irgendwann voraussagen, wie bestimmte Aussagen oder Aktionen von Politikern anschließend im Netz bewertet werden.
Das Projekt klingt vielversprechend und bietet schon jetzt interessante Einblicke in die portugiesische Politik und Online-Welt. Allerdings steht auch zu befürchten, dass die Seite zu einer weiteren Technokratisierung der Politik beitragen wird. Schon beklagen viele, dass Politiker ihr Handeln zu stark an der öffentlichen Meinung und Umfragen ausrichten. Mit Hilfe von POPSTAR könnten bald Algorithmen noch mehr dominieren und das Menschliche in der Politik weiter verdrängen.
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Fotos: popstar.pt