Zürich,

Trendblogger-Jahrgang 2013/2014
Salüt Zämä! Ich bin Christian, 21 Jahre alt und eigentlich Student in Trier. Ab September verbringe ich ein Auslandssemster mit dem Schwerpunkt Journalismus in der Schweiz. Über meine Erfahrungen, besonders natürlich mit Medienmenschen und -innovationen, lest ihr bald hier auf dietrendblogger.de. Alle, die noch mehr über die Erkenntnisse eines Schweizer Gaststudenten erfahren wollen, finden mich auch auf Twitter: @scub4



Gefilterte Geschichten

Mit storyfilter.com geht ein neues Schweizer Onlineportal an den Start. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, spannende Geschichten aus den Weiten des Webs aufzuspüren und zu verteilen. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Mischung aus BuzzFeed, Newsaggregator und Tumblr. Was steckt dahinter?

Storyfilter Titel

Wenn ein neues Medienangebot im Internet startet, ist der Spott der Medienbranche oft nicht weit. So war es beim Start der Huffington Post Deutschland, und so war es auch beim Start von Storyfilter.com vor zwei Wochen. Die Schweizer Medienjournalisten Rainer Stadler und Nick Lüthi ließen sich auf Twitter nicht lange bitten:

Betrachtet man Storyfilter etwas nüchterner, dann bietet es folgendes: Mehr oder weniger prominente „Kuratoren“ teilen Inhalte, über die sie beim täglichen Surfen stolpern. Diese Inhalte werden  kurz vorgestellt und dann wird auf die Quelle oder weiterführende Artikel verlinkt. Die Zusammenfassungen sind kurz, prägnand, und erinnern an Buzzfeed. Die Aufmachung der Seite erinnert an Scroll-Blogs wie Tumblr.

Storyfilter

Storyfilter: Eine wilde Mischung aus BuzzFeed, GoogleNews und Tumblr

Gründer Bernhard Brechbühl zeigt sich im Gespräch zufrieden: „Nach einem starken Start, sicher auch durch die Medienaufmerksamkeit, hat sich die Seite inzwischen bei ein paar tausend Klicks am Tag eingependelt. Viel wichtiger als die Klicks sind mir aber ohnehin die Facebook-Interaktionen, nur über solche Kanäle kann man wachsen. Diese Zahlen sind sehr zufriedenstellend.“ Der 36-jährige war zuvor in der Chefredaktion der Gratiszeitung 20min tätig, und betreibt Storyfilter mit Eigenkapital. Aus Überzeugung, wie er sagt: „Storyfilter ist entstanden aus einer Unzufriedenheit mit dem, was im Moment gemacht wird. Dem Journalismus brechen die Geschäftsmodelle weg, neue Dinge müssen einfach ausprobiert werden.“

Ist Storyfilter ein Konzept mit Zukunft? Rainer Stadler, der möglicherweise renommierteste Medienjournalist der Schweiz, ist skeptisch: „Solche Dienste haben dann eine Chance, wenn sie sich auf ein spezifisches Publikum mit spezifischen Interessen ausrichten. Storyfilter zeichnet sich bisher durch nichts Spezifisches aus und ist darum beliebig ersetzbar.“ Er gibt aber zu, dass der  eine Chance haben könnte, der eine attraktive Mischung aus relevantem und boulevardeskem liefert – egal, in welcher Medienform.

Für Bernhard Brechbühl ist die Kritik und die Häme, die über ihm ausgeschüttet wurde, ein Zeichen von Überheblichkeit: „Ich frage mich, ob die Medienjournalisten die Dramatik des Medienwandels begreifen. Sie sollten anerkennen, wenn jemand etwas neues ausprobiert“. In die selbe Kerbe schlägt auch David Bauer von der Schweizer Sonntagszeitung und fordert: „Spart euch die Häme!„. Und tatsächlich, Spott findet sich auf Twitter kaum noch. Möglicherweise dreht sich der Wind in der Schweizer Medienlandschaft.

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Meinung

Das Wichtigste vorneweg. Allem Spott zum Trotz kann jedes neue Experiment dem Journalismus nur gut tun. Zugegebenermaßen fehlt aber auch mir bei Storyfilter ein wenig der Kick – Vielleicht bin ich als jemand, der sich kaum für Boulevardthemen interessiert, auch nicht die Zielgruppe. Ich empfinde die schon sprichwörtlichen Katzenvideos zwischen den relevanten Inhalten eher als nervig. Trotzdem: Mit ein paar Veränderungen, vielleicht einer Ressortstruktur und einem stetig wachsenden Pool an Kuratoren, könnte Storyfilter ein interessanter Wegweiser durch den Webdschungel werden. Die Zeit wird es zeigen.

Was haltet ihr von Storyfilter? Fehlt euch etwas, oder landet die Seite sofort in euren Favoriten? Diskutiert in den Kommentaren!

 

6 KOMMENTARE , GEBE EINEN KOMMENTAR AB

  1. ich finde die linieare Strukturierung des Inhalts funktioniert ganz gut. alles andere (Buzzfeed, diigg, Mashable und co) kriegt zwar meine aufmerksamkeit, fühlt sich aber reizüberflutender an. Ist angenehm, dass SF es mal wieder etwas aufgeräumter probiert, bin aber nicht sicher, ob das gegen die anziehungskraft der konkurrenz bestehen kann… finde die seite hat keinen erkennbaren schwerpunkt.. wäre cool wenn zB die/der jeweilige „kurator“ eher in den mittelpunkt rücken würde. Also eher „persönliche“ tips statt anonyme best-of listen.

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