Sydney,

Trendblogger-Jahrgang 2013/2014



Hyperlokales – Zum Hobby verdammt

…Denn mit hyperlokalem Journalismus lässt sich kein Geld verdienen, meint der Melbourner Blogger Brian Ward.

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Fitzroyalty ist ein Blog, das sich auf den Melbourner Stadtteil Fitzroy konzentriert. Brian Ward betreibt es seit über sechs Jahren in Eigenregie. Er postet etwa jeden zweiten Tag. Doch selbst mit über 30.000 pageviews pro Monat bleibt das Projekt ein Hobby. An ein funktionierendes Geschäftsmodell glaubt er nicht.

Nachfrage und Inhalt sind da
Es brauche eine gewisse Menge an potenziellen Lesern, also in erster Linie Anwohnern, meint Ward. Und eine Art Geminschaftsgefühl oder lokale Identität. Dann bestehe mit großer Wahrscheinlichkeit auch der nötige Stoff für gute Stories. Nur finanzieren lasse sich die Berichterstattung nicht.

Prominente Beispiel geben ihm Recht: AOLs Patch hat große Teile seines US Netzwerks geschlossen, Washington Post’s Projekt LoudounExtra wurde nach zwei Jahren gestoppt, ebenso wie vor kurzem MSNBCs EveryBlock.
Das klassische Werbemodell hat seine besten Tage offenkundig hinter sich. Hinzu kommt, dass potenzielle lokale Werbepartner im Normalfall wenig Interesse an (Online-) Werbung zeigen. Und selbst wenn, so Ward, wäre das kaum genug um die Arbeit zu finanzieren.

I assessed [hyperlocal information‘s] viability as a for-profit business as being non-existent, dismissed the idea and instead pursued creating great content as an enjoyable and sustainable hobby. – BRIAN WARD

 

Mögliche Chancen

Doch es gibt sie, die funktionierenden Lokalblogs. Die Journalistin Ulrike Langer nennt Im Interview mit Blogger Julian Heck einige der bislang erfolgreichen Beispiele, wie etwa das West Seattle Blog. Und sie erklärt, was sie für potenzielle Erfolgsfaktoren hält. So meint sie zum Beispiel, hyperlokal funktioniere wirtschaftlich nur im Kleinen. Während AOLs und NBCs Franchises scheitern, liegt ihre Hoffnung auf echten Locals statt auf großen Playern. Doch was für ein Kunststück das ist: Ein oder zwei Person mit genug Motivation um als „Texter, Fotograf, Filmer, Layouter, Techniker und Buchhalter“ Überstunden zu machen, angewiesen auf lokale Unternehmen, deren Interesse keineswegs sicher scheint, und auf ein Publikum, das mit jahrelanger Geduld gewonnen werden muss – ein verlässlichles Geschäftsmodell sieht anders aus.

Die Frage lautet also: Sind die Gewinne funktionierender Beispiele verlässlich und attraktiv genug, um aus dem Format Hyperlokales Blog ein flächendeckendes Phänomen zu machen? Bis jetzt offensichtlich nicht.

3 KOMMENTARE , GEBE EINEN KOMMENTAR AB

  1. Hallo Lucas,
    die These, dass Hyperokales zum Hobby verdammt ist, ist steil und dein Beispielblogger bestätigt das ja auch. Ich hätte mir aber besonders in der zweiten Texthälfte noch ein paar Infos gewünscht, wie sein Arbeitsalltag aussieht, wie viel Zeit er investiert und warum er nicht an eine wirtschaftliche Tragfähigkeit glaubt bzw. was (wie du in deiner Schlussfrage schreibst) Fitzroyalty ändern müsste, um verlässliche und attraktive Gewinne zu verbuchen?
    Interessanter Ansatz, den du ja noch ausbauen und in Form eines Updates aktualisieren könntest 😉

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