Berlin,

Egal ob Multimedia-Storytelling, Mobile Reporting oder Datenjournalismus – für diese Themen kann ich mich begeistern. Für den Blog onMedia der DW-Akademie schreibe ich nicht nur über neue Tools für Journalisten, sondern probiere sie meistens auch selbst aus. Als Deutsche-Welle-Volontärin kann ich nun meine beiden Leidenschaften miteinander kombinieren: Für meine Auslandsstation reise ich nach Südafrika. Von dort aus berichte ich vom ZDF-Studio in Johannesburg und bin mir sicher, dass ich dabei auch auf neue Medientrends stoßen werde.



CORRECT!V – Nicht sexy, aber investigativ

Gemeinnützig, investigativ und aufklärend – so sieht das Recherchebüro CORRECT!V die Zukunft des Journalismus und den Weg aus der Medienkrise. Dabei will die Plattform auch trockene Themen dem Leser schmackhaft machen.

CORRET!V will Skandale aufdecken. Copyright: Screenshot http://www.correctiv.org

CORRECT!V will Skandale aufdecken. Copyright: Screenshot: http://www.correctiv.org

Wer die Stellenausschreibung von CORRECT!V liest, bekommt so schnell einen Eindruck von den Machern der Plattform. Darin heißt es: „Unser Kandidat sollte wenigstens einmal in seinem Leben damit gedroht haben, seinen Job zu schmeißen, weil seine Texte völlig wirr gekürzt wurden.“

Weiter im Text steht: „Unser Kandidat weiß genau, dass diese Aufgabe verdammt hart und frustrierend ist; dass es hier um einen Job geht, in dem man kiloweise Papier wälzt und nächtelang Datenbanken von Hand füttert; in dem man Dokumente in aufwendigen Verfahren beschafft, während andere das Zeug von Pressestellen geschenkt bekommen. Unser Kandidat weiß, dass man am Ende von Niemandem gelobt, dafür aber von gut bezahlten Rechtsanwälten bedroht wird.“

Harte Kerle, harte Kost

Das klingt nach harter Kost. Aber genau darum will sich das Team von CORRECT!V kümmern. Die Macher der Plattform wollen in erster Linie aufwändige Recherchen angehen, die bei klassischen Medienhäusern immer seltener möglich sind.

Beim Team von CORRECT!V handelt es sich um Journalisten und Programmierer, die teilweise in leitenden Funktionen für große regionale und überregionale Medien arbeiten. Kopf des Investigativbüros ist David Schraven, der bis vor kurzem das Recherche-Ressort der Funke-Gruppe verantwortete. Bei CORRECT!V mischen noch sieben weitere Journalisten mit, darunter bisher eine einzige Frau. Die Redaktion hat ihren Hauptsitz in Essen und ein Büro in Berlin.

Wer zahlt das alles?

Mit drei Millionen Euro unterstützt die Essener Brost-Stiftung die Gründung der Plattform. Außerdem will sich CORRECT!V über Zuwendungen von Lesern und Nutzern finanzieren. Der Großteil des Etats soll direkt in aufwändige und investigative Recherchen fließen. Die Ergebnisse der Recherchen will das Team in Kooperationen dann an große und kleine Zeitungen und Magazine wie auch an Radio- und Fernsehsender weiterreichen. Vorbild ist das 2008 vom langjährigen „Wall Street Journal„-Chefredakteur Paul Steiger gestartete „Pro Publica„.

CORRECT!V wird außerdem von der gemeinnützigen GmbH „Puls – Recherchen für die Gesellschaft“ mit Sitz in Essen getragen. Diese gemeinnützige GmbH darf keinen Gewinn machen und muss ihr ganzes Vermögen für den Aufbau von CORRECT!V einsetzen.

Um was geht’s inhaltlich?

CORRECT!V will sich auf die Bedrohungen und Herausforderungen unserer Gesellschaft konzentrieren, die sowohl „von nationaler Bedeutung sind, aber auch erhebliche Auswirkungen vor Ort haben“. Die Themen sollen vor allem nah am Bürger sein. Erste Recherchen sollen sich um die Sparkasse und Wertpapiere drehen.

Auf neuen Pfaden mit Datenjournalismus

CORRECT!V arbeitet mit der Auskunftsrechteplattform FragDenStaat.de zusammen. Gemeinsam wollen sie dem Bürger dabei helfen, seine Auskunftsrechte gegenüber dem Staat effektiver wahrzunehmen. Außerdem greift die Plattform auch auf die Expertise von OpenDataCity zurück, die über einen großen Erfahrungsschatz in der Datenanalyse und Datenvisualisierung verfügt. Erste Projekte mit OpenDataCity sollen im Herbst umgesetzt werden.

Der Verein will neben seiner journalistischen Arbeit sich auch im Bildungsbereich einen Namen machen: Er will Seminare geben und die Ausbildung von Ausbildung von Journalisten, die Vermittlung von journalistischem Wissen und Handwerk fördern.

Neben Krautreporter und Crowdspondent ist CORRECT!V eine weitere journalistische Plattform, die einen alternativen Weg aus der Medienkrise eingeschlagen hat.