Nizza,

Trendblogger-Jahrgang 2012/2013
Von Brasilien über Deutschland nach Bulgarien und Frankreich. So unüblich es sich anhört, ist es auch – aber dafür umso spannender (wollen wir hoffen)! In meiner Heimat Porto Alegre studierte ich Journalismus und berichtete vor der Kamera für das Regionalfernsehen. Dann brachte mich die sogenannte journalistische Neugier nach Deutschland. Oder nach Europa, besser gesagt: im Master of Intercultural Communication Studies studiert es sich trinational. Nach einem ersten Jahr an der Europa-Universität Viadrina, in Frankfurt an der Oder, werde ich in meinen „Meta“-Auslandssemestern aus Sofia und Nizza bloggen!



Anders (fern)sehen

 

Es wurde in diesem Blog bereits hinterfragt, ob Fernsehsender überhaupt innovieren wollen, oder zu innovieren brauchen. Diese Fragen stehen zur Debatte. Doch sollten die Sender es wollen oder als nötig empfinden, bin ich der Ansicht, dass sie es auf jeden Fall können!

Meine Meinung beruht auf der (auch wenn etwas abstrakten) Überzeugung, dass Formatinnovationen eine natürliche Konsequenz einer größeren Wandelung sind bzw. sein werden: die des Konzepts des Fernsehens.

 

Mehr als „high“: „new definition“

 

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Am 19. Februar kündigte Nielsen – das weltweit führende Unternehmen für Medienanalyse und – information – an, dass es seine Definition von „TV Viewing“ modernisieren will. Seit Jahren beschwerten sich Rundfunkanstalten darüber, dass ihre Zuschauerschaft nicht von den traditionellen Analysen wahrgenommen werden konnte. Dieses neue Verständnis soll das Problem nun korrigieren: ab September 2013 sollen die neuen Messungen in den USA auch streaming, gaming systems und mobile Geräte in Betracht ziehen; Xbox und iPad darunter. Das ist auf jeden Fall sinnvoll in einem Land, in dem schon 90% des Medienkonsums screen based ist (siehe Graphik). 

Die Entscheidung ist noch nicht definitiv, sie folgt aber dem Trend, der schon Dezember 2012 den ersten Schritt formalisierte: die Etablierung vom „Nielsen Twitter TV Rating“, das ab Herbst 2013 die Zahlen zur Reichweite von TV-bezogenen Tweets im US-Markt angeben wird. Mit dem „Nielsen Twitter TV Rating“ wird zum ersten Mal ein Maß der totalen Social TV-Aktivität erzeugt, die sowohl aktive als passive Leser der 140-Zeichen Kommunikation miteinbeziehen.

Der Nielsen Twitter TV Rating ist ein bedeutender Schritt für die Industrie, besonders weil dadurch Entwickler und Programmierer ansprechendere live TV und second-screen experiences, und Werber integrierte paid und earned media Kampagnen erstellen können. Als führendes Unternehmen für Medieninformation, erkennen wir Twitter als hervorragende Quelle von real-time Fernsehengagementdaten.“ Steve Hasker, Nielsen President for Global Media Products and Advertiser Solutions

„Diese Initiative spiegelt Nielsen Weitsicht in die sich entwickelnde Natur des Fernsehens, und wir freuen uns (..) auf diese Weise Rundfunkanstalten und der Werbebranche zu helfen, eine wahrhafte soziale TV-Erfahrung zu erstellen.“ Chloe Sladden, Twitters Vice President of Media 

Heißt aber auch mehr als nur „social“

 

Klar muss aber sein, dass dieses neue Verständnis von Fernsehen viel mehr als das social TV berechtigen muss. Das ist einer der fünf „Most Over-Hyped Future of TV Topics“, wie Jeremy Toelman es schon 2012 auf TechCrunch behauptete. In einer aktuelleren Äußerung, in der er die Begriffe Appointment TV (reguläre live Ausstrahlung),Catch-Up TV (on demand, VDR) und Social TV erläutert, verteidigt er sogar die Möglichkeit, dass letzteres – trotz des gegenwärtigen „Hype“s – in Zukunft für das Catch Up an Bedeutung verliere. 

Meines Erachtens muss sich ein neues Fernsehangebot diesen Kategorien nicht anpassen. Viel mehr stehen diese Kategorien sowie die unzähligen neuen screen consumption-Möglichkeiten (wobei wir Interaktivität als User Generated Content hier noch nicht einmal angesprochen haben) einer „Umerfindung“ zur Verfügung. Wenn Fernsehsender sich definitiv für Innovationen entscheiden, dann glaube ich, dass sie es in diesem Augenblick besser denn je können.

Lektorat: Victoria Scherff