Reykjavík,


Kann mit Buzzfeed-Rankings geworben werden?

12 Tónar – ein Musikladen auf Island – macht es . Als ich zum ersten Mal diese Werbung sah war ich ein wenig verwundert. Einfach nur ein kurzer Hinweis auf Platz Nummer zwei auf buzzfeed.com. Normalerweise sind listicles Bilderreihen von unnützen Katzenbildern bis hin zu den schönsten Plätzen Europas. Mehr als drei bis fünf Sätze sind im Durchschnitt darin auch nicht enthalten. Und damit soll geworben werden? Ich habe mich mit Johannes Agustson (Musikladenbesitzer 12tonar), der mit einen Buzzfeed-Rankingplatz wirbt, für ein Interview getroffen.

Das Musiklabel 12tonar gehört zum Musikladen hinzu. In der Sommerzeit wird der Ort mehr besucht als im Winter. Denn in der Hauptreisezeit, und das ist der Sommer, ist es der Musikumschlagplatz für Touristen. In diesem Fall ist es natürlich sinnvoll, die Werbung gegen Ende des Sommers zu setzen.

buzzfeed Ranking 12 Tónar

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Manchester,


Will you #ДАНСwithme? Wie die Protestierende in Bulgarien die sozialen Medien nutzen

Hallo, liebe Leser. In dem folgendem akademischen Jahr werde ich für euch aus Manchester berichten. Mein erstes Blogartikel ist aber über die Nutzung von sozialen Medien von den Protestierenden in Bulgarien, wo ich meinen Sommerurlaub verbracht habe. Heute, am 22. September, feiert Bulgarien ihren Unabhängigkeitstag. Zugleich ist heute der 100ste Tag von Protesten gegen die künftige bulgarische Regierung. Ob diese Proteste gerechtfertigt sind oder nicht, werde ich in diesem Blogartikel nicht kommentieren. Mich hat die Kreativität der Protestierenden fasziniert.

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Gent,


Kloutparty – die neue belgische Art zu feiern

Edward Snowden hat es uns gezeigt: Im Internet ist keiner vor Überwachung sicher. Trotzdem tummeln sich auf Facebook, Instagram und Co. immer noch unsere besten Freunde, Kollegen und Nachbarn. Alle posten private Fotos, kommentieren Beiträge und geben ihre intimsten Daten preis. Was bei genauerem Hinsehen bedenklich erscheint wird nun gefeiert – auf den sogenannten Kloutpartys.

Screenshot Klout Score

Was ich heute bei Facebook poste, welches Foto ich bei Instagram hochlade, sollte ich mir inzwischen gut überlegen, denn nicht nur meine Freunde, sondern auch NSA und Co. können meine Daten einsehen. Keinen Gedanken daran verschwenden die Gäste auf der ersten belgischen Kloutparty, die Ende August im „Social Media Club“ in Antwerpen veranstaltet wurde. In den USA ist es bereits Feier-Standard, in Europa müssen sich die Kloutpartys noch etablieren. Doch das sollte nicht mehr lange dauern – die Social Media Elite feiert sich gerne.

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Nach den Stockholmer Krawallen: Übers Netz in die Demokratie

Ausgebrannte Autos: Kann man Frustrierte über Soziale Medien in die Demokratie integrieren? - Photo: M. Joedicke

Ausgebrannte Autos: Kann man Frustrierte über Soziale Medien in die Demokratie integrieren?
– Photo: M. Joedicke

Wie immer: Mit seiner großen demokratischen Tradition wird Schweden auch als ein politisches Vorbild verstanden. Doch die Krawalle frustrierter Jugendlicher um Stockholm in der vergangenen Woche schrien geradezu, dass einige in dieser Demokratie vergessen wurden. Können Soziale Medien Abhilfe schaffen?

Schweden gilt vielen als das Musterland demokratischer Partizipation. Bei den letzten Wahlen zum Schwedischen Reichstag lag die Beteiligung bei hierzulande unvorstellbaren 82 Prozent. Bis in der letzten Woche in Stockholms Vororten Autos brannten – und sich niemand erklären konnte, warum es auch in Schweden einen Anteil in der Gesellschaft gibt, der sich so Gehör verschaffen möchte. Sofort entbrannten die Diskussionen, wie die Frustrierten besser in die Gesellschaft integriert werden könnten. Manche stießen auf das Internet als Lösung.

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Nizza,


Vernetzt um Santa Maria

Wie der tragische Brandunfall im Süden Brasiliens in den sozialen Netzwerken Widerhall fand.

 

 

Am 27. Januar wurde Brasilien von einer Tragödie erschüttert. Der Tod von über 230 Jugendlichen durch einen Brand in einem Nachtclub in Santa Maria wurde schnell zur Nachricht in aller Welt. In Bulgarien, mit vier Stunden Zeitverschiebung, habe ich vielleicht zu den ersten Brasilianern gehört, die an dem dunklen Sonntagmorgen von dem furchtbaren Geschehen erfuhren – über Facebook.

Der erste Post mit Verlinkung zum Artikel eines grossen Medienunternehmens war für eine Weile noch der einzige auf der Pinnwand. Perplex sah ich wie in kurzer Zeit mehrere Medien darüber berichteten. Betroffen, wie mit den häufigeren Updates auch die Opferzahl immer höher wurde. Es muss gegen Mittag in Bulgarien gewesen sein (etwa 8 Uhr morgens in Brasilien), als plötzlich das Netzwerk von Trauer und Schock überflutet wurde. Brasilien war erwacht. Und es begann einer der traurigsten Tage unserer Geschichte.

Es fällt schwer, selbst nach einem Monat, das Ereignis von einem anderem Blickwinkel zu sehen, wenn nicht dem des schmerzhaften Verlusts. Doch für jemanden, der alles machtlos nur aus der Ferne mitbekommen konnte, zeigten sich die sozialen Netzwerken als wichtige Akteure der gemeinsamen Verarbeitung dieses Unglücks – und hier vielleicht einer Reflexion Wert.

 

Polemische Berichterstattung

Noch am selben unglücklichen Tag war online zu lesen, wie ein Mädchen kurz vor ihrem Tod von dem Nachtclub aus über Facebook um Hilfe bat. Ihr Post, die Kommentare von Freunden, sowie die Bestätigung ihres Todes über das Facebook Profil ihrer Mutter wurden von verschiedenen Nachrichten Portalen publiziert. Persönlich, war ich von der morbiden Veröffentlichung geschockt. Journalistisch konnte ich aber den Zeugenwert des Hilfeschreis nicht ignorieren. Doch mehr als die herkömmliche Diskussion wo Journalismus endet und wo Sensationalismus beginnt, blieb für mich die Frage wo, in solch einem Unglück, und in Social Media Zeiten, die Privatsphäre der Opfer und das Interesse der Öffentlichkeit aneinander grenzen.

Estadão, eineCaptura de Tela 2013-01-28 às 08.41.37 der wichtigsten Zeitungen Brasiliens, musste sich auch mit dem Thema auseinandersetzen. Im Laufe des Tages schrieb die Zeitung Folgendes auf ihre Facebookseite: Die erste Liste von identifizierten Opfern wurde veröffentlicht. Es sind 141 Menschen. Alle unsere Reporter, sowohl in São Paulo als in Rio Grande do Sul, sind darin engagiert eine grosse Berichterstattung für unsere online und print Editionen zu machen. Wenn Sie das Facebook Profil von einem der unten genannten Namen kennen, bitte hinterlassen Sie den entsprechenden Link im Kommentarfeld. Vielen Dank“. Der Post weckte große Polemik unter den Lesern. Der erste Kommentar „Wozu sollen wir den Link hinterlassen?“ bekam 146 Likes innerhalb von vier Minuten. Die Antwort der Zeitung dagegen, – „Für unser einziges Ziel in der Gesellschaft: Reportage“- erhielt nur 21. Die kritischen und empörten Äußerungen wurden zahlreicher und Estadão löschte nach einigen Minuten den Post.

Engagierte Hilfe

Captura de Tela 2013-01-27 às 19.50.03Doch auch einheitlich positive Beiträge wurden durch die soziale Netzwerken ermöglicht. Am gleichen Tag entstand die Bürgerinitiative „Somos Todos Santa Maria“ (Wir sind alle Santa Maria). Eine unter dem Namen auf Google Docs hergestellte Datei diente als Datenbank für Menschen, die Hilfe anbieten wollten. Hauptsächlich nach Unterkunft in Porto Alegre (die Hauptstadt von Rio Grande do Sul) für Familienmitglieder der Verletzten wurde gefragt, da sich dort die besten Krankenhäuser des Bundeslands befinden. Schnell wurden auch Aufforderungen zur Blutspende auf Facebook geteilt, sowie Hinweise, die Umgebung von Krankenhäuser und das Parken in Porto Alegre zu vermeiden, um dem Krankenwagenverkehr und der Notlandung von Hubschraubern nicht im Weg zu stehen. Hier zeigte sich das immer wieder in der Theorie akklamierte Potential einer vernetzten Community praktisch und deutlich. Denn wenn man überhaupt von etwas Gutem in solch einem unglücklichen Ereignis sprechen kann, dann war es das Engagement der brasilianischen Gemeinschaft, in der rührenden Bemühung den Schmerz der Opferfamilien zu mindern.

Lektorat: Victoria Scherff

Nizza,


Fresh News auf Svejo.net

Bulgarische Social Media als Kuratierungstool. Bei Svejo bestimmen die User was frisch ist im Internet.

Bulgarisch-Lektion Nummer 2: „Svejo“ = frisch. Die Idee hinter Svejo.net ist es, die aktuellsten und interessantesten Inhalte aus dem Netz zu filtern. Somit wird dem Leser die kostbare Zeit gespart, das Netz durchforsten zu müssen. Die registrierten Benutzer können posten was ihrer Meinung nach „svejo“ ist. Nach Clicks und Kommentaren wird dann entschieden, welche Veröffentlichungen auf die erste Seite gelangen.

Svejo gilt als das erste und größte soziale Newsnetzwerk Bulgariens. Es wurde 2007 gegründet und bekommt täglich 1.500 Artikel , 3.000 Kommentare sowie 15.000 Stimmen zugeschickt. Einmal angemeldet, kann der User die Links teilen, die er für relevant, nützlich oder lustig hält (natürlich auch seine eigenen). Die Veröffentlichung fällt automatisch in eine öffentliche Kategorie, wo dann jeder für sie voten kann. Sind genug Stimmen gesammelt, wird sie von den Moderatoren oben auf die Homepage platziert.

So bekommen Internetuser eine vorsortierte Auswahl der Artikel mit dem höchsten Rating. Zudem erhalten Autoren die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und ihren Blog oder Webseite zu fördern! 


Social Media in Bulgarien – die Facts

Bulgarien hat 7,5 Millionen Einwohner, von denen 57% online und knapp 2,5 Millionen auf Facebook sind (55. Platz im weltweiten Facebook Ranking). Svejo liegt da gar nicht so schlecht mit seinen monatlich 1,25 Millionen Unique Usern und 6,4 Millionen Visualisierungen.

Dieses Jahr erschien Bulgarien auch zum ersten Mal in The Social Media Bible. Der Bestseller von Lon Safko beschreibt das globale Szenario der sozialen Netzwerke mit Schwerpunkt auf Geschäftsstrategien. Das Kapitel über Bulgarien wurde vom bulgarischen PR-Experten Maxim Behar verfasst, und präsentiert das Land als social media country.

Lektorat: Victoria Scherff

Stockholm,


Schwedens „demokratische“ PR

Kuratieren ist das gekonnte Aufarbeiten von Webinhalten. Dass dies nicht nur im Journalismus, sondern auch für die PR gilt, beweisen die „Curators of Sweden“. Der „weltweit demokratischste Twitter-Account“ vertritt eine ganze Nation im Netz.

Die Startseite der "Curators of Sweden": "The world's most democratic twitter account"

Die Startseite der „Curators of Sweden“: „The world’s most democratic twitter account“
(Quelle: curatorsofsweden.com)

Wenn man die Endlosigkeit des Internets mit einem negativen Wort beschreiben sollte, wäre es: Unübersichtlichkeit. Doch die enorme Fülle an Informationen, durch die sich der Einzelne nur schwer hindurchwühlen kann, ermöglicht auch neue Chancen. Von der Agentur Volontaire wurde in Zusammenarbeit mit Svenska Insitutet (das schwedische Pendant zum deutschen Goethe-Institut) und der staatlichen Tourismusvereinigung visitsweden eine interessante Möglichkeit, diese zu kuratieren, erschaffen.

Curators of Sweden nennt sich das Projekt, das sich gleichzeitig als „demokratischsten Twitter-Account“ beschreibt. Das Konzept: Eine Schwedin oder ein Schwede vertritt sein Land jeweils für eine Woche, durch die Verwaltung von @sweden. Ob und wie diese/r twittert bzw. kuratiert, ist ihm selbst überlassen – mit der Wahl des Vertreters geben die beiden Institutionen jegliche Kompetenzen ab.

Die „Curators of Sweden“ haben mächtig Erfolg

Das Projekt hat Vorbilder – wurde nicht völlig ohne Vorgeschichte aus der Taufe gehoben. Schon andere Städte und Länder hatten Vertretungen in Twitter wie beispielsweise Leeds und Australien. Doch diese wurden privat organisiert und waren damit keine offizielle Repräsentanz. Die 2011 ins Leben gerufenen „Curators of Sweden“ gehen einen Schritt weiter – und haben, den Zahlen nach zu urteilen, mächtig Erfolg. (mehr …)