Brüssel,

Trendblogger-Jahrgang 2012/2013
Goedentag, Bonjour und Hallo aus BRÜSSEL. Irgendwo zwischen urigen Frittenbuden, diversifizierten Bierkneipen, geheimnisvollen Gassen und Europa´s Gemäuern – den Regenschirm darf ich nicht vergessen – verirre ich mich auf dem Nachhause-Weg von der Uni. Die nassen Kopfsteinpflaster glänzen. Die frische Brise von der See kühlt . Wolang weht der Wind hier in Sachen Medientrends? Ein Jahr lang gehe ich auf Entdeckungsreise.



Open Data- Zugang vs. Zugänglichkeit und die Rolle des Datenjournalismus

In der Liebe ziehen sich Gegensätze ja bekanntlich an: Man lernt voneinander und ergänzt sich. Im Umgang mit zunehmenden Mengen von offenstehenden open data müssen Journalisten mit Informatikern, Statistikern oder Mathematikern zusammenarbeiten- wenn sie denn nicht alle Funktionen in einer Person vereinen können. Nicht nur verhelfen sich Databearbeitung und Journalismus über ihre Kooperation gegenseitig zu einer Wertsteigerung. Auch und vor allem verhilft diese Zusammenarbeit dem Sprung vom Zugang zur Zugänglichkeit von open data.


In der Liebe ziehen sich Gegensätze ja bekanntlich an: Man lernt voneinander und ergänzt sich… Wenn mein Freund, Mathematiker mit einem Faible für IT, vor seinem Computer sitzt und ich ihm über die Schulter schaue,  dann verstehe ich, Geisteswissenschaftlerin, nur Bahnhof. Vor Zahlen,  Programmiersprachen und Datenbanken habe ich schon immer zurückgeschreckt. Lange habe ich mir nicht vorstellen können, welchen Nutzen mir das Wissen darüber bringen könnte. Dass wir uns nun auch auf professioneller Ebene ergänzen können, war eine spannende Entdeckung. Dazu später mehr…

 

Journalisten und Informatiker- eine notwendige Zusammenarbeit

Die Notwendigkeit der Kooperation zwischen Journalisten und Dataexperten wird wohl nicht mehr bestritten. Aus Data müssen Informationen und aus diesen Wissen geschaffen werden. Peter Hinssen schreibt in seinem Buch „The New Normal“ über wesentliche Grenzverschiebungen in unserer Gesellschaft, die durch neue Technologien verursacht werden. Die interessantesten Veränderungen für den Journalismus, zeichnen sich vor allem in den Bereichen Privatsphäre und Intelligenz ab.

Die Grenze der Privatsphäre
Tracy Fayne_Fishbowl
„The Limit of Privacy“ wird als die größte Herausforderung gekennzeichnet, der wir uns in unserer „Fishbowl Society“ in Zukunft stellen müssen. Nicht nur die persönliche Privatsphäre der Bürger schwindet mit der wachsenden Datenübertragung im Internet und praktisch in allen Lebensbereichen. So war ich sehr erschrocken darüber, als ich neulich Samstagabend zum ersten Mal ein Taxi in Brüssel per Handy bestellen wollte und die Dame am Hörer bereits ohne dass ich ihr etwas sagte meinen Namen und Adresse kannte[…] „Transparency is the norm, not the exception“, schreibt Peter Hinssen. Und diese Norm oder den Anspruch auf das Herrücken mit den Daten stellen zunehmend auch Bürger von ihren Regierungen…

Open Data überall- mehr Transparenz via eGovernment

Frankreich hat bereits eine sehr hübsche Seite mit sehr anschaulichem Zugang zu seinen öffentlichen Daten an den Tag gelegt, welche die Übersichtlichkeit von Daten nicht schlecht meistert. Und aktuell hat die deutsche Regierung auf die Empfehlung der Studie „Open Government Daten Deutschland“ ein Datenportal auf die Beine gestellt, das weiterverwendbare Daten zugänglich machen soll. Veröffentlicht wird es in den kommenden Tagen. Auf Empörung entlang zahlreicher Aktivisten und Befürwortern der Datenfreiheit stoß allerdings die kurzfristige Namensänderung des Portals: Aus Open Data Portal wurde nur noch Data Portal. Über das Verschwinden von Open und die dadurch hervorgerufene Kontroverse kann man hier lesen.
À propos Kontroverse: Auch die russische Regierung öffnet ihre Pforten gemäß dem Open-Data Prinzip.

Und hierzulande in Belgien? Natürlich und doch ziemlich herzlos verfolgt die Regierung in Brüssel das eGovernment-Konzept:  Auf der Webseite der belgischen Regierung www.data.gov.be  wird einer Unmenge an Daten zu allen möglichen Bereichen Zugang gewährt. Der Gegensatz von Zugang und Zugänglichkeit von Daten wird aufgrund der Masse an Daten jedoch schnell sichtbar.

Zugang vs. Zugänglichkeit

Die Freigabe von Open Data durch Regierungen, wie hier in Belgien, verursacht einen enormen Fluss an Informationen –  für einen durchschnittlichen Bürger ohnehin nicht zu überschauen. Das Ziel der Freigabe öffentlicher Daten ist es doch, Transparenz, politische Teilhabe und Legitimierung zu fördern!  Und der Journalismus muss dabei eine zentrale Rolle spielen, nämlich bei der Umwandlung von Daten in Informationen und letztlich Wissen.

The limit of intelligence
Ursula_Roseeu_FogAn dem Punkt, wo verfügbare Realzeit und unüberschaubare Informationsmassen aufeinander treffen, setzt die Grenze der Intelligenz an, die Peter Hinssen im besagten Buch beschreibt. Journalisten stoßen oftmals an diese Grenze und bei der Menge von open data ist das kein Wunder.

„The fog of information can drive out knowledge.“ – Daniel  J. Boorstin

 

 

Softwareentwickler, her mit Euren Ideen! – Application for Belgiumcompo_home_06

Aktuell werden in der von privaten Unternehmen ausgehenden Kampagne Application for Belgium  Apps-Ideen gesucht, welche die Zugänglichkeit von open data fördern sollen. Und die bisher eingereichten Projekte werden diesem Anspruch gerecht und liefern tatsächlich einen gesellschaftlichen Mehrwert. Die belgische StartUp-Szene ist dabei, den Daten-Acker aufzulockern und wird ihn den Anzeichen zu Folge ähnlich wie in Frankreich zunehmend bearbeiten.

 

 

Data Journalismus in Belgien
(nl: Data Journalistiek, fr: Le journalisme de données)

Unter belgischen Journalisten, die sich mit Data befassen, sticht der Joel Matriche hervor. Der Datenjournalist berichtet für die Tageszeitung Le Soir sowie in seinem Blog und nutzt eigens hergestellte Graphen und Karten zur Untermalung sowie auch Träger seiner Artikel.
Doch Matriche bleibt vorerst einer von wenigen Journalisten, die das Werkzeug der Datenbearbeitung beherrschen. Wachsende Nachfrage fördert das Angebot und somit wird die zunehmende Notwendigkeit solcher Skills sicherlich zunehmend mehr Datenjournalisten hervorrufen. Auch der Generationswandel unter Journalisten, von digital immigrants zu digital natives, wird den Datenjournalismus weiter wachsen lassen.

Data & Journalism- all in one oder one by one

Journalismus und Datenbearbeitung- beide Funktionen können in einer Person vereint werden, wie der Datenjournalist Joel Matriche hervorragend beweist. Gemäß der Ford´schen Arbeitsteilung können und in meinem Fall sollten Arbeitsprozesse geteilt werden und an Externe weitergegeben werden. Meine Grenzen der Auffassung großer und komplexer Daten sind als Kulturwissenschaftlerin schnell gezogen.

Beispiel- Die Untersuchung des Wandels der Brüsseler Kulturlandschaft mithilfe von: Interfaces

Ich möchte  untersuchen, wie es mit der kulturellen Landschaft in Brüssel aussieht: Wie hat sich die Verteilung und Konzentration kultureller Angebote innerhalb der Stadt im Laufe der letzten 2 Jahre verändert? Welche Trends lassen sich verorten?

Folgendes Ergebnis erhalte ich aufgrund der Partnerschaft mit der mir gegensätzlich erscheinenden Wissenschaft: Durch eine Programmierschnittstelle, also ein application programming interface (API), kann ich Informationen von einem anderen Programm abrufen, in diesem Fall alle bei Facebook registrierten kulturellen Veranstaltungen am kommenden Wochenende in Brüssel.

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Dieser Anwendung sind keine Grenzen gesetzt- die verwendeten Informationen müssen nur zugänglich sein.  Mit dieser Karte der kulturellen Aktivität Brüssels am kommenden Wochenende als Ausgangspunkt meiner Recherche kann ich nun in ähnlicher Weise fortfahren mit meiner Untersuchung….

 

 

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