Trendblogger-Jahrgang 2013/2014
Modeblogs mit Instagramfotos von Vintage-Läden und Zimtschnecken, gepaart mit einem Hauch Feminismus: Mit diesem Eindruck von Schweden begebe ich mich für ein Semester nach Linköping. Nicht nur Land und Leute, sondern auch User und Medien werde ich dort beobachten und für euch beschreiben. Ob die Leute da wirklich so schön sind, wie das Internet wirken lässt, ob wirklich alles sofort mit dem Smartphone fotografiert wird, ob Schweden wirklich das europäische Musterland schlechthin ist? Mythen hin oder her, ich werde es austesten.



Meanwhile in Germany: Why not blackfacing?

2013 war eigentlich das Jahr, in dem auch in deutschsprachigen Massenmedien das Thema Unterdrückung thematisiert wurde: Sämtliche Rassismus- und Sexismusdebatten fanden, nicht zuletzt auch in Zusammenarbeit mit Twitter-Hashtags, ihren Platz in Zeitungen und im Fernsehen. Das ging an der „Wetten, dass…?“-Redaktion des ZDF scheinbar vorbei. 

Als Markus Lanz Samstagabend die Stadtwette verkündete, reagierte meine Twitter-Timeline sofort und selbst ich, die nicht einmal in Deutschland auf aktuellem Stand dieser Sendung war, bekam in Schweden die Aufgabenstellung mit. Augsburg sollte sich „Jim Knopf-mäßig“ mit Schuhcreme das Gesicht anmalen. Das ZDF motiviert eine ganze Stadt zum Blackfacing. Hallo, Deutschland 2013.

Die Wut und Kritik zeigten sich nicht nur auf Twitter, sondern auch auf der Facebook-Seite der Sendung. Dort wurde auch sichtbar, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm nur so rassistisch sein kann, wie das Land, das es konsumiert. Die Sendung wird in zahlreichen Kommentaren gelobt und verteidigt, der Rassismus wird stark relativiert bis hin zur kompletten Leugnung.

Ein Best-Of dieser unreflektierten Kommentare wurde auf Shehadistan zusammengestellt. Und es zeigt: Nein, das ZDF und weiße Deutsche haben 2013 nichts dazu gelernt. Nichts aus der N-Wort-Debatte, nichts aus der Kritik an ihrer Sendung „Auf der Flucht“, nichts aus der Blackface-Debatte, nichts aus der anderen Blackface-Debatte um den Zwarte Piet, nein. Nichts. Null. Nada.

Folge der Autorin @sassyheng auf Twitter. 

12 KOMMENTARE , GEBE EINEN KOMMENTAR AB

    • Also ich finde den Stern-Beitrag total daneben. Die Argumente sind auch nicht gut, es ist rassistisch, sich als stereotypisches Abbild einer anderen Kultur zu verkleiden. Das ist dann auch egal, ob die es im Rheinland nicht finden. Es geht nicht um die Gefühle weißer Karnevalfans, sondern um die Würde unterdrückter Minderheiten.

  1. Pingback: Hä, Blackface ist voll nicht rassistisch???!!!? | Tea-riffic

  2. Sorry, aber sollte es nicht heißen, „das ZDF und die weißen Deutschen/ die deutsche Mehrheitsgesellschaft“?

  3. Pingback: Rassismusbedingung: Rassismusleugnung | Erbloggtes

  4. Nein, das ZDF und weiße Deutsche haben 2013 nichts dazu gelernt.

    Ich gehe sogar noch weiter: Das ZDF will es nicht lernen, weil es nicht muss. Egal, welchen Mist sich die Öffentlich-Rechtlichen leisten, sie werden weiterhin Mrd. in den Arsch geblasen bekommen, die Verantwortlichen werden weiterhin keine (arbeitsrechtlichen) Konsequenzen fürchten müssen. Der Status Quo wird durch Nichtstun nicht gefährdet.

    • Heute live vor der Glotze im Nachmittagsprogramm bei „Topfgeldjäger“ (ZDF) mit Steffen Henssler miterleben dürfen: Der Koch der das Essen der Kandidaten heute testen musste (Ali Güngörmüş) wies den Gastgeber (Henssler) freundlich aber bestimmt auf die richtige Aussprache des Nachnamens (GÜN GÖR MÜS) hin. Henssler versuchte sich wenig wohlwollend an der korrekten Aussprache des Namens (Gekicher im Publikum). Ali Güngörmüs dann: „Bis zum Ende der Sendung kannst du das.“ Darauf Henssler: „Bist du heute eigentlich mit dem Auto hergekommen oder auf dem Kamel?“ Publikum: „Pruuuuhahahhaaaa und Schenkelklopf.“

      Ich an Güngörmüs Stelle wäre aufgestanden und gegangen. Er hat aber sicher einen Vertrag und blieb peinlich berührt sitzen und machte den „Spaß“ irgendwie mit…

      Es geht also immer weiter…