Gründer des Instituts für Kommunikation in sozialen Medien



Journalisten müssen programmieren lernen

Was können Journalisten von Programmierern lernen? Viel meint Christoph Kappes. Mir sind noch ein paar mehr Dinge eingefallen.

Christoph Kappes schreibt in seinem Blogartikel in der BerlinerGazette namens „Code für Alle“:

Programmierung ist ein Handwerk, das sicherlich gut erlernen kann, wer ein Grundverständnis für Analyse, Mathematik und Logik mitbringt. Es zu Erlernen braucht – wie jedes andere Handwerk auch – seine Zeit. (Ich weiß gar nicht, wie viele Jahre ich programmiert habe, es mögen 15 sein; ich würde mich heute immer noch nicht als guten Programmierer bezeichnen.)

Die hohe Dynamik dieses Gebiets sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Grundstrukturen von Dauer sind, also zum Beispiel Rekursion (sich selbst aufrufende Funktionen), Befehlsabfolgen, Schnittstellen (mit denen Programme miteinander kommunizieren) oder Datenstrukturen – auch dort ändert sich nicht so viel, zum Beispiel wie Tabellen funktionieren. Es mag dann ein Jahr oder ein halbes Jahr dauern, bis man da Grundkenntnisse hat und das erste Gefühl dafür entwickelt.

Gegen das Erlernen einer Programmiersprache spricht nichts. Ich denke sogar, dass es heute in die Schulausbildung gehört. Auch in der Journalistenausbildung ist es sinnvoll, Programmieren zu vermitteln. Es ginge dann dort aber nicht nur um das bloße Programmieren, sondern um Informationsverarbeitung im weitesten Sinne. Zum Beispiel darum, wie man auf welche Datenquellen zugreift, wo diese Datenquellen sich befinden, wie der Zugriff rechtlich zu handhaben ist und wie Nutzer-Interaktion konzipiert werden muss.

Er plädiert dafür, dass man als Journalist zwar nicht unbedingt selber programmieren kann, aber sieht Vorteile in diesen Bereichen

  • Kollaborative Arbeitsprozesse und Qualitätsmanagement in Teams mit flachen Hierarchien
  • Prozessorientiertes Publizieren, weniger produktorientiertes Publizieren
  • Quellen nennen und Inhalte dokumentieren
  • Fehler als Teil des Entwicklungsprozesses sehen

Er fordert darüber hinaus, weiter zu denken, was ich mal tun möchte. Ich bin selber kein Programmierer, habe aber in Software-Projekten gearbeitet und hab das auf den Journalismus zum Teil anwenden können:

  • Programmieren und Journalismus muss Spass machen – dann macht es auch dem Nutzer des Programms bzw. dem Leser des Artikels Spass. Spass kommt durch intellektuele Herausforderungen, durch Lösen von Problemen, durch Ausprobieren, Austauschen.
  • Perfektionismus beim Programmieren gibt es nicht – es gibt immer nur Grade von Fehlertoleranz. Das gleiche gilt für jeden Artikel, aber auch für die Objekte von Journalismus: Politiker, Unternehmer, Bürger – das sollte man sich immer ins Gedächtnis rufen.
  • Beim Programmieren kann man in der Regel nur zwei von drei Ansprüchen erfüllen: Schnelligkeit, Preiswert, hohe Qualität. Entweder ist eine Programmierdienstleistung schnell gestrickt, preiswert, aber fehleranfällig – oder hohe Qualität wird durch einen höheren Preis erkauft. Genauso ist es im Journalismus auch.
  • Wer sich als Programmierer nicht traut zu fragen, der wird keinen Erfolg haben. Auch als Journalist muss man sich trauen zu fragen – und nicht alberne Fragen wie welcher Dschungelcamp-Teilnehmer rausgewählt werden soll. Sondern echte, ernsthafte, interessierte Fragen an die Leser.

Ich bin schon der Meinung, dass es Journalisten gut tun würde, einen Teil ihrer Ausbildung bei den Programmierern zu absolvieren, so wie es für Volontäre ja auch üblich ist, unterschiedliche Medien und Formate kennenzulernen. Die Arbeitsweise in der Software-Branche erschließt sich nicht übers abstrakte Philosophieren.