Lyon,
Trendblogger-Jahrgang 2012/2013 Bonjour. Ich heiße Mareike, bin ein Berliner Urgestein und 24 Jahre alt. Ich studiere Kulturwissenschaften in Frankfurt Oder, verbringe die kommenden 10 Monate jedoch in Lyon und erkunde die französische Universitätslandschaft am Institut d’Études Politiques. Während es die meisten nach Paris verschlägt, war für mich Lyon die erste Wahl. Lyon ist nicht nur „la ville de gueule“ (frei: „Stadt der Gaumenfreuden“), sondern bietet allerlei Entdeckenswertes. Um nicht vollends dem guten Essen zu verfallen, widme ich mich sinnvolleren Beschäftigungen und werde mich für euch auf die Suche nach den neuesten Medientrends und -innovationen machen. Fragen, Kritik und Anregungen sind absolut erwünscht. Na dann, allons-y!


Fernsehen: Wo bleibt die französische Revolution?

Teleglu und Devant La TéléAn den Fernsehabend von früher, an dem die Augen pünktlich ab 20:15 Uhr ununterbrochen gebannt auf dem Bildschirm hafteten, habe ich noch vage Erinnerungen. Obwohl wir immer mehr Zeit mit dem Fernsehprogramm verbringen, erfährt selbiges längst nicht mehr so viel Aufmerksamkeit wie bzw. eine andere Art von Aufmerksamkeit als früher. Die Zeiten, in denen sich der Zuschauer vollkommen passiv vor den Fernseher setzte, sind längst passé. Neben dem Fernsehbildschirm sind viele noch mit dem sogenannten „second screen“ beschäftigt, also dem Laptop oder Smartphone. Während die Lieblingsserie im TV läuft, kann man auf der Facebook-Seite des Senders ein „Gefällt mir“ hinterlassen, die Kommentare anderer Zuschauer auf Twitter live mitverfolgen und die Google-Plus-Kreise über einen gelungenen Fernsehabend informieren.

Das vertikale Medium Fernsehen, mit dem lediglich einseitig kommuniziert wird, kann mit dem horizontalen Medium Internet und seinen Möglichkeiten des gegenseitigen Austausches von Meinungen/Informationen nicht mithalten. Die Zukunft wird unter anderem dem Social-TV, also der Verknüpfung von Internet bzw. sozialen Netzwerken und Fernsehen gehören. Der Begriff Social-TV hinterlässt nicht nur bei deutschen, sondern auch bei französischen Fernsehmachern noch zahlreiche Fragezeichen.  Auf den Internetseiten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Frankreich kann man Programme immerhin online abrufen – doch das war’s. Das Sehverhalten ihrer Nutzer haben die wenigsten auf dem Schirm. Ein Twitter- oder Google-Plus-Account und eine Facebook-Präsenz gehören immerhin zum Standard-Repertoire, doch erscheint dies in den meisten Fällen eher als lästige Pflichtübung. Dabei kann das Social-TV zu einer echten „Demokratisierung“ des Fernsehens beitragen. Der Zuschauer von heute will sich am Geschehen beteiligen. Produzenten können beispielsweise die Reaktionen der Zuschauer auf ihr Werk live mitverfolgen. Warum auf die Quoten am Morgen warten statt die Trendthemen des Abends auf Twitter zu begutachten?

Allerdings gibt es Seiten wie Teleglu, die den Fernsehzuschauern den nötigen Raum für den Meinungsaustausch bieten. Zuerst einmal kann man sich auf der Seite über das aktuelle Fernsehprogramm informieren. Nachdem man sich ein Profil angelegt oder sich mit seinem Facebook-Account angemeldet hat, kann es losgehen: mit einem Klick kann ich anderen Nutzern und meinen Freunden mitteilen, welches Programm derzeit auf meiner Mattscheibe flimmert und einen zusätzlichen Kommentar hinterlassen. Ein Informationsbutton klärt mich über den Inhalt auf und der entsprechende Wikipedia-Artikel ist auch in die Oberfläche mit eingebunden. Meine Lieblingsserie kann ich anderen Nutzern weiterempfehlen und deren Profil abonnieren, um ihre Programmtipps zu sehen und auf ihre Kommentare zu antworten. Ein kleines Diagramm in der rechten oberen Ecke des Profils zeigt, wie viele Nutzerprofile ich abonniert habe, mit wie vielen Nutzern ich befreundet bin und wer mir folgt. Außerdem findet jede Woche ein Quiz mit Fragen zu einer laufenden Sendung („le jeu“) statt. Das Projekt Teleglu steckt noch in der Betaphase. Die passende App steht bisher nur für Apple-Geräte zur Verfügung.

Auf der Seite Devantlatele („vor dem Fernseher“) findet sich auch eine Übersicht des laufenden TV-Programms. Mit einem Klick auf den Kommentare-Button sieht man alle Äußerungen der Twitter-Nutzer. Zudem kann ich die Übersicht nach Kommentaren meiner Freunde filtern. Auch hier kann ich mein laufendes Programm anderen mitteilen. Möchte ich etwas posten, werden mir die entsprechenden Twitter-Hashtags vorgeschlagen. Ich kann meinen Kommentar jedoch auch via Facebook veröffentlichen. Eine Top-Live-Übersicht wertet die beliebtesten Programme anhand der hinterlassenen Kommentare per Stunde aus. Als Erweiterung zu Twitter zeigt mir Devantlatele in sehr übersichtlicher Form die aktuellsten Kommentare zum laufenden Programm. Auf Twitter selbst müsste ich immer nach einzelnen Hashtags suchen und diese auch erst einmal finden.

Angebote wie Teleglu oder Devantlatele sind meiner Meinung nach erste gute Ansätze in Richtung Social TV. Allerdings sind die Möglichkeiten der Beteiligung für den Zuschauer immer noch sehr beschränkt. Für die Zukunft bleibt mehr Initiative seitens der Verantwortlichen in den Sendern zu wünschen. Und wer den letzten Tweet nicht kennt, der hat den Trend dann wohl verpennt.

7 KOMMENTARE , GEBE EINEN KOMMENTAR AB

  1. Sehr schöner Artikel, danke Dir! Als Tipp noch zur Formatierung: Wenn Du überhalb des „more“-Tags auch ein Bild unterbringt, dann ist auf der Startseite der Trendblogger nicht nur Text zu sehen. Das zieht dann auch mehr Leser in Deinen Blog. Willst Du das mal ausprobieren?

  2. Pingback: Institut für Kommunikation in sozialen Medien » Das Trendblogger-Dossier im September: The Future of TV

  3. Pingback: Oktober-Dossier “Social Media Kuratierungstools für Journalisten” und Rückblick auf das September Dossier “Future of TV” | Die Trendblogger

  4. Pingback: Wer suchet, der findet nichts – Fernsehinnovationen in Deutschland und Frankreich | Die Trendblogger