Porto,

Trendblogger-Jahrgang 2013/2014 // Olá! Grüße aus Portugal! Zur Zeit hören wir von dort ja meistens nur Horrormeldungen im Zusammenhang mit der Euro-Krise. Was das Land sonst zu bieten hat, werde ich euch während meines Auslandssemesters in der Hafenstadt Porto berichten. Welche Medientrends entstehen in Portugal, trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Krise? Und wie unterscheidet sich das Medienverhalten der Menschen hier von dem in Deutschland? Das will ich herausfinden – und mit euch teilen.



Eine Zeitreise in die Welt der Nachrichten

In Zeitalter des Internets machen sich viele Journalisten Gedanken, wie sie ihre Inhalte innovativ und zugleich übersichtlich darstellen können. Das portugiesische Medienunternehmen SAPO hat eine besonders interessante Form der Visualisierung gewählt: Eine „Zeitmaschine“, mit der man in die letzten 25 Jahre Nachrichten reisen kann.

Maquina do TempoDie „Máquina do Tempo“ (Zeitmaschine) erlaubt es dem Leser, über sieben Millionen Texte aus den letzten 25 Jahren zu entdecken. Dabei kann nach Ereignissen oder berühmten Personen gesucht werden. Über 100.000 Persönlichkeiten haben es in die Datenbank geschafft. Neben allen Artikeln, in denen die Person erwähnt wurde, erhält man auch eine Übersicht über die wichtigsten Zitate und ein Netzwerk, in dem ihre Verbindungen zu anderen Menschen grafisch dargestellt werden.

Angela Merkel und die Eurokrise

Merkels Seite - 20.000 Artikel, 1.500 Zitate und 1.000 Verbindungen

Merkels Seite – 20.000 Artikel, 1.500 Zitate und 1.000 Verbindungen

Nehmen wir Angela Merkel, die auf der Seite – neben dem portugiesischen Fußballstar Cristiano Ronaldo – interessanterweise als Beispielsuche angeführt wird. Über sie findet man fast 20.000 Artikel, über 1.500 Zitate und etwa 1.000 Verbindungen. Ganz oben in der Liste der Zitate: „Es geht nicht nur darum, den Euro zu retten, sondern es zu schaffen, dass Europa gestärkt aus der Krise hervorgeht“. Überhaupt drehen sich fast alle aktuellen Artikel um die Krisenpolitik der EU und die nach wie vor großen wirtschaftlichen Probleme Portugals.

Die Bedeutung dieses Themas wird einem auch bewusst, wenn man sich Merkels Netzwerk ansieht. Außer dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama, ihrem Regierungssprecher Steffen Seibert und ihrem vormaligen Wahlkampfkonkurrenten Peer Steinbrück, sind alle mit ihr verbundenen Personen Politiker wichtiger EU-Länder (Großbritannien, Frankreich) oder EU-Institutionen (Kommission, Europarat). Dazu kommt noch der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho, der grafisch als besonders dicker Punkt dargestellt ist.

Darüber redet Portugal: Fußball und Politik

Merkels Netzwerk - Obama, Seibert, Steinbrück und viel Europa

Merkels Netzwerk: Obama, Seibert, Steinbrück –  und viel Europa

Die Zeitmaschine zeigt auch, welche Persönlichkeiten in der letzten Woche am häufigsten in den Nachrichten auftauchten. Ganz vorne liegt der Nationalheld Cristiano Ronaldo, der Portugal zuvor gegen Schweden zur WM 2014 geschossen hatte. Es folgen Ministerpräsident Passos Coelho, Präsident Cavaco Silva, Oppositionsführer Mário Soares und die Trainer der beiden größten Fußballklubs, Benfica Lissabon und FC Porto.

Das Projekt wurde an der renommierten Fakultät für Ingenieurswissenschaften der Universität Porto entwickelt. Der verantwortliche Projektleiter, Benjamin Júnior, sagt, der nächste Schritt sei es, Fotos und Videos in die Zeitreise zu integrieren. Das würde der Seite auf jeden Fall gut tun. Sie erhält zwar schon jetzt viele interessante Informationen, aber der Leser fühlt sich schnell von der Flut an Texten überfordert. Mit einer ansprechenden grafischen Aufarbeitung kann die „Máquina do Tempo“ aber definitiv zu einem spannenden Archiv für Journalisten, Studenten, Politikinteressierte und viele mehr werden.

Tipp: Ein ähnliches Projekt auf Deutsch ist die Wayback Machine.

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Fotos: Screenshots Máquina do Tempo

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