Stockholm,

Trendblogger-Jahrgang 2012/2013
Schweden steht für endlose Wälder und Seen; die Natur bestimmt dieses Land. Gleichzeitig gilt es als eines der innovativsten und offensten im Bereich der Technik und Neuer Medien. Wer kennt oder nutzt nicht Skype oder Spotify? Wie das zusammenpasst, möchte ich in meinem Auslandssemester in Stockholm gerne herausfinden – und meine Erfahrungen mit euch teilen.



Fortschritt durch Daten?

Geteilter Fortschritt: Datenjournalismus

Geteilter Fortschritt: Datenjournalismus

Onlinepublikationen verdrängen Zeitungen: Und doch gibt es – ausgenommen Aktualität und Geschwindigkeit – selten Auseinandersetzungen über einen wirklichen Quantensprung durch das Medium Internet. Ändert sich das mit Datenjournalismus? Eine Untersuchung am Beispielland Schweden.

Gerade die skandinavischen Länder bieten eine interessante Grundlage, um sich dem Thema Datenjournalismus zu nähern: In Schweden werden Bürger an vielen Stellen aufgefordert, ihre Daten anzugeben – und tun dies meist (allzu) bereitwillig. Das liegt allerdings auch an der traditionellen staatlichen Offenheit mit Daten. Eine Homepage, auf der man beispielsweise die Steuerabgaben seines Nachbarn einsehen kann, wäre in Deutschland mehr als unvorstellbar.

Kein Wunder also, dass auch in Schweden in den vergangenen Jahren die Sparte des Datenjournalismus immer weiter wächst. Die Beispiele Jens Finnäs mit seinem Projekt Journalismus++ oder das Forschungsprojekt „Datajournalistik“ auf der Södertörns Högskola zeigen dies deutlich. Doch welchen Fortschritt macht der gesamte Journalismus mit der Informationen vermittelnden Darstellung von Daten eigentlich?

Datenspielerei oder Quantensprung?

Sehen wir uns einfach mal die Verwendung von regionalen Statistiken in einer sehr beliebten Darstellungsweise an: per Google Maps. Die „räntekartan“ (= Kreditlandkarte) von Jens Finnäs auf der Homepage der zweitgrößten Tageszeitung Svenska Dagbladet zeigt ebenso wie die Stockholmer Mietkarte „hyreskollen“ oder die vom Konkurrenten Dagens Nyheter angebotene Notenübersicht freier Schulen vor allem eins: Der Leser kann im journalistischen Erzeugnis herumstöbern, er kann selbst bedienen.

Datenflut: Vom Papier ins Netz

Datenflut: Vom Papier ins Netz

Der journalistische Vorgang ist der gleiche wie bei einer in einer Tageszeitung abgedruckten Karte: Die Redaktion sammelt Daten, wertet diese aus und stellt sie dann geographisch dar. Doch verschiedene Zoomfaktoren (die Lupe mal ausgenommen), Verlinkungen oder Bearbeitungsmöglichkeiten (beispielsweise das Eintragen eigener Kreditzinsen) durch den Leser sind in Papierform unmöglich.

Ist mehr Zugang gleich mehr Information?

Online dargestellter Datenjournalismus hat also tatsächlich das Potential den gesamten Online-Journalismus auf eine höhere Ebene zu hieven, ihm vielleicht eine weitere Legitimation zu verschaffen. Die Einbindung des Lesers als Nutzer ist in interaktiven Statistiken noch um ein Vielfaches höher als in simplen Bildergalerien oder Videos, in denen er lediglich über vor und zurück bestimmt. Und die Programmierungsfunktionen, die der Computer uns bietet, werden an Komfort in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

Freilich lässt sich darüber streiten, inwieweit Online-Journalismus überhaupt eine Legitimation braucht. Schließlich ist es der generelle Auftrag des Journalisten, Informationen zu streuen – und das auf dem schnellstmöglichen Wege und so weit wie möglich. Doch sind gerade zur Internetpublikation viele Fragen noch nicht beantwortet, allen voran die der Bezahlung, wie das Dossier der Trendblogger aus dem November 2012 zeigt. Es stellt sich die Vergleichsfrage nach quantitativen und qualitativen Vorteilen des Online-Journalismus.

Karten, Fakten... Hintergründe?

Karten, Fakten… Hintergründe?

Daten müssen eingeordnet werden

Die in Schweden aufgenommenen Vorlagen zeigen, wie praktisch und gewinnbringend diese eingesetzt werden können. Doch für jeden Journalisten gilt dabei: Vorsicht! Denn die Aufgabe ist weiterhin, dem Leser Informationen nicht nur zu vermitteln, sondern auch einzuordnen. Eine pure Darstellung von Daten stellt also keinen Fortschritt dar, graphische Überlastung der Seite kann den beigefügten Text schnell im Hintergrund verschwinden lassen. Und das wichtigste Werkzeug des Journalisten ist immer noch – das WORT.

Daten und deren (graphische) Auswertung dürfen und müssen also auch in Zukunft weiter in den Online-Journalismus eingebunden werden. Doch wichtig ist, sich nicht in ihnen zu verlieren, sondern den Überblick zu wahren und die Position des Zusammenfassenden einzunehmen. Was wäre die Bundesligatabelle ohne Spielberichte? Was wären die Börsenzahlen ohne Wirtschaftskommentare?