Strasbourg,

Trendblogger-Jahrgang 2012/2013
„Welkumma en unsrem scheena Strossburi“ heißt es für mich. Der Dialekt verrät es bereits: Aus dem Herzen Frankreichs werde ich nicht schreiben. Dafür allerdings aus dem Herzen Europas: Mit ihren vielen europäischen Institutionen bezeichnet sich Straßburg nämlich selbst als „Hauptstadt Europas“. Der Job hat mich über die Grenze verschlagen und wegen der Vielfältigkeit der kulturellen Einflüsse bin ich geblieben. Beste Voraussetzung also, um nicht nur über französische sondern auch über europaweite Medientrends zu berichten.



Die Zukunft selbst gestalten

Die Zukunft beginnt schon heute bei ARTEFuture

Die Zukunft beginnt schon heute bei ARTEFuture

Mit der Plattform „Future“ geht der Fernsehsender ARTE neue Wege: So werden darauf die Themen Wirtschaft, Technologie, Umwelt und Gesellschaft beleuchtet. Der User wird dabei zum Mitdiskutieren aufgefordert. „Ein jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen, um gemeinsam die Plattform mit Leben zu erfüllen.“, so steht es auf der Seite von ARTE Future. Doch soll nicht nur diskutiert werden, Ziel ist es in direktem Austausch mit den Website-Usern zu treten.

Partizipation mit dem Tool „Uservoice“
Damit ein Austausch zwischen ARTE und seinen Zuschauern entstehen kann, bedient sich der Sender des Tools „Uservoice“. Dieses Software-Tool ermöglicht es, durch eine Kunden-Feedback- und Helpdesk-Funktion den Dialog mit den Website-Besuchern zu fördern. Je nach Ausgestaltung kann der Besucher eigene Ideen vorschlagen, aber auch Fragen stellen und Feedback geben.

Nach gut eineinhalb Monaten Laufzeit gibt ARTE auf der Plattform „Future“ bekannt:

„In der Abstimmung hat sich das Thema Grundeinkommen als das am meisten gevotete Thema herausgestellt. Folglich greifen wir das bei Future auf. Mehr noch: Die Ideen bei Uservoice fließen auch in das Programm ein. So wird ARTE im Sommer das Thema Staatenbildung aufgreifen. Im Herbst wird es einen Programmschwerpunkt Wirtschaft geben.“

Das ist zunächst einmal eine schöne Idee. Denn welcher Zuschauer möchte nicht sein eigenes Fernsehprogramm gestalten und selbst Ideen einbringen? ARTE tritt damit näher an seine Zuschauer heran und bezieht die Interessen und Ideen seiner Zuschauer mit ein.

Zwischen Mainstream und Andersartigkeit
Doch gleichzeitig birgt diese Herangehensweise auch Gefahren: Denn manchmal ist nicht das populärste Thema, das wichtigste. ARTE lebt gerade davon, Randthemen zu beleuchten, die andere Sender aufgrund von Quotendruck nicht ins Programm nehmen würden. Es ist also eine stetige Gratwanderung zwischen Mainstream und Andersartigkeit.
Gerade auch im Hinblick darauf, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender eigentlich abgekoppelt vom ökonomischen Markt bewegen und die publizistische Vielfalt fördern sollen, erscheint diese Art der Partizipation bedenklich. Es ist in diesem Fall nicht der ökonomische Markt im eigentlichen Sinne, der die publizistische Vielfalt einzuschränken bedroht, sondern die zur Abstimmungsstellung einzelner Themen, aus denen dann das Populärste gewinnt.

Interessant wäre auch zu wissen, ob die Besucher der „Future“-Website die gleichen sind, die letztendlich auch das Fernsehprogramm von ARTE im Fernsehen oder Internet sehen. Denn sonst würde dies bedeuten, dass die einen zwar bestimmen, welche Themen ihrer Meinung nach ins ARTE-Programm sollten, diese dann selbst aber gar nicht anschauen.

Im Moment liegt übrigens das Thema „Die internationale Sprache Esperanto heute“ ganz weit vorne. Das Internet ist schnelllebig. Was gestern noch top, ist manchmal heute schon Flop. Das Aufgreifen der Themen aus dem Voting von Uservoice kann also immer nur eine kurze Momentaufnahme darstellen. Denn: Die User partizipieren ständig.

Bild: ARTE

1 KOMMENTARE , GEBE EINEN KOMMENTAR AB

  1. Sehr interessanter Artikel – Du musst allerdings darauf achten, dass Du den Artikel auch streust in den Social Media Kanälen. Ich hab das über meine Artikel gemacht und das hat dann auch für Resonanz gesorgt, aber wichtig ist es, dass Du das auch machst, ansonsten finden die Leute den Artikel nicht 😉