Buenos Aires,

Trendblogger-Jahrgang 2013/2014 – „Hola, cómo va?“ Die Argentinier gehen sowohl miteinander als auch mit Ausländern wie mir sehr freundlich um. Ein „wie geht´s“ unter Fremden hört man eher selten in Frankfurt (Oder), wo ich den Master of Intercultural Communications studiere. Während meines Studienaufenthaltes in Buenos Aires bin ich gespannt, was mir alles auffällt rund um Medientrends und -innovationen, um darüber zu berichten!



Caballito, warum soll ich dich lieben?

„Buenos Aires, ich liebe dich“? Einverstanden. Aber „Caballito, ich liebe dich“??? Die Lokalzeitung Horizonte veröffentlicht alle Neuigkeiten rund um den Stadtteil in Buenos Aires auf der Seite Caballito Te Quiero [argent.: Kabaschito Te Kjero]. Aber warum will ich wissen, was in Caballito los ist? Noch nie gehört… 

Caballito te quiero

Caballito te quiero – Caballito, ich liebe dich

Das Stadtviertel ist zwar geographisch zentral gelegen, aber doch weit ab vom Schuss, wenn man den Ballungspunkt der argentinischen Hauptstadt betrachtet. Der liegt eher an der Küste. Heißt für mich also, Caballito ist von so großer Bedeutung, wie ein Sandkorn in der Wüste.

Doch scheint die Online-Lokalzeitung regelmäßig Besucher zu bekommen. Seit etwa vier Jahren erscheinen auf der Internetseite täglich Berichte über das Geschehen in dem 6,8 km² großen Stadtteil. Mehr als 170.000 Menschen werden mit Informationen über Unfälle, Stromausfälle, Überfälle und auch kulturelle Ereignisse in Kenntnis gesetzt, wenn sie denn auf Caballito Te Quiero [Caballito, ich liebe dich] klicken.

Das Erfolgsgeheimnis der lokalen Nachrichtenseite ist sicherlich die präzisere Berichterstattung über die Ereignisse in der Nachbarschaft. Besonders in der Metropole Buenos Aires würden viele interessante Aktivitäten aufgrund der enormen Größe und der ca. drei(zehn) Millionen Einwohner der Stadt (bzw. Provinz) einfach untergehen. Es wäre ein großer Zeitaufwand, lokale Informationen aus den etlichen (digitalen) Tageszeitungen herauszufiltern bis die gesuchten Neuigkeiten gefunden sind. Außerdem muss sie mit keiner großen Konkurrenz kämpfen. Es gibt nur noch zwei weitere Lokalblogs über die beliebten und eher touristischeren Stadtviertel San Telmo und Palermo.

Finanziert wird Caballito Te Quiero vermutlich über die Printausgabe und über Sponsoren. Das Layout der Homepage ist schlicht gehalten, besser gesagt: ziemlich unspektakulär und langweilig. Sie konzentriert sich eben auf die Berichterstattung und nicht so sehr auf das Layout. Umso mehr fallen die Werbeanzeigen der Stadt Buenos Aires, Restaurants, Cafés, Shoppingcenter, etc. auf. Das Logo mit Pferdchen [Übersetzung von caballito] im Herz macht weder die Website noch das Viertel attraktiver. Respekt also, dass die Seite besteht!

Dazu lesenswert auch: Dein Lokalblog ist nur so spannend wie deine Umgebung

 

Foto: Screenshot Website 14.01.14

7 KOMMENTARE , GEBE EINEN KOMMENTAR AB

  1. Ich glaube, gerade weil Caballito so ein unspektakuläres Wohnviertel ist, kann dieses Lokalblog erfolgreich sein. Im touristischen Zentrum betreiben viele nur ihr Geschäft, um abends nach Hause in die Vororte zu fahren. Da würde die Identifikation mit dem Viertel fehlen. In Caballito hingegen leben relativ gut gebildete Porteños aus Mittel- und Oberschicht, die sich dafür interessieren, was in ihrer Nachbarschaft los ist. Ich kann mir vorstellen, dass viele von ihnen ziemlich lang dort wohnen, denn das Viertel mag etwas langweilig sein, dafür ist man aber in 10 bis 15 Minuten überall (Palermo, San Telmo, Zentrum). Ich denke, die Größe von knapp 200.000 Einwohnern ist auch perfekt, um einerseits die lokale Identifikation zu erreichen, aber andererseits eine Leserschaft zu haben, für die es sich zu schreiben lohnt.

    Danke für den Artikel! Freue mich immer, was über mein geliebtes Buenos Aires zu lesen! Besos 🙂

    • Gute Ergänzung, Leo! Der Aspekt der Identifikation mit seiner Heimat dürfte in vielen kleinen Städten und Dörfern eine große Rolle spielen.

  2. netter Einblick in die Lokalblogwelt da drüben bei dir 🙂
    Du hast so beiläufig geschrieben, dass sich das Lokalblog „vermutlich“ durch Sponsoren und eine Printausgabe finanziert. Nachhaken wäre schön gewesen. Ist das wirklich so? Und können die Betreiber überhaupt davon leben? Und vor allem: PRINTPRODUKT?? Von einem Lokalblog? Da will ich unbedingt mehr wissen!! 😉

  3. Mir ist auch aufgefallen, dass beim Twittern es fast unmöglich ist, zu verstehen, was die Titelzeile bedeutet. Der Titel könnte auch zu ganz anderen Blogtexten passen oder einen Roman beschreiben, man muss also immer die Hashtags Hyperlocal oder Argentinieren dazufügen.

    Wenn die Titelzeile so gelautet hätte, dann wäre das wesentlich klarer: „Hyperlocal Journalism in Argentinien: Wer liebt Caballito?“ oder so ähnlich. Außerdem fehlt die These – was würdest Du aus dem Beispiel für Deutschland ableiten?

    @Julian – die Printausgabe kommt von der Zeitschrift „Horizonte“ – siehe Teaser!

  4. Ja, Leo, da hast du wohl Recht. Obwohl ich dir bei den Minuten-Entfernungen nicht zustimmen kann. Ich wohne schon ziemlich nah an Flores und ich brauche immer 20 Minuten bis eine Stunde zu den genannten Vierteln… 😉

    Danke Karsten und nein, ich habe den Artikel noch gar nicht promoted, weil ich das zusammen im Zuge mit dem 2014-Trends-Artikel machen wollte. Aber ich schicke jetzt einfach schon mal eine Mail rum.
    Meinst du, ich sollte den Titel dann nochmal ändern, oder jetzt so belassen? Danke, für den Rat.

    Ja, ich habe leider nur vermutet, Julian. Aber ich versuche ich mich da nochmal schlauer zu machen. 🙂

  5. Haha…hast Recht, Laura! Das waren (sehr optimistische) Taxi-Zeiten. Mit colectivo und subte keine Chance! 😉