Cornelius Witt

Cornelius Witt

„US 701“ – was sich für mich nach einem neuen, viel-Explosion-wenig-Inhalt-Hollywoodstreifen anhört, ist die Flugnummer der Maschine, die mich Anfang September in meine Wahlheimat Kalifornien bringt. Im Schatten San Franciscos, einen Steinwurf vom Silicon Valley gelegen, studiere ich für zwei Semester an der CSU East Bay und berichte von hier über Trends und Innovationen, Neues und Wissenswertes aus der Medienwelt des Golden States.



Das Jahr im Zeichen des Gespensts

Snapchat boomt – und gewinnt in den Vereinigten Staaten mehr und mehr Nutzer. Vor allem junge User bevorzugen die App gegenüber Facebook. Während das soziale Netzwerk vor allem Negativschlagzeilen macht – Stichwort Privatsphäre – punktet Snapchat mit dem Gegenteil: Digitales Vergessen.

Die genaue Anzahl der Snapchat User ist nicht öffentlich bekannt. Laut marketingcharts.com nutzen vor allem junge Leute zwischen 18 und 29 die App.

Die genaue Anzahl der Snapchat User ist nicht öffentlich bekannt. Laut marketingcharts.com nutzen vor allem junge Leute zwischen 18 und 29 die App.

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Pat “PJ” Newton v. Town of Shannon, et al.

Im konservativen Mississippi wurde der lesbischen Barbesitzerin Pat “PJ“ Newton die Lizenz verwehrt. Die 55-jährige hat Klage eingereicht und erhält Unterstützung aus dem Netz. 

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Pat „PJ“ Newton und ihr Anwalt im Interview mit der Huffington Post

Im Frühjahr beantragte Pat „PJ“ Newton eine Gewerbelizenz, um eine Bar in der Kleinstadt Shannon, Mississippi, betreiben zu können. Hierfür wurde sie zu einer Anhörung ins Rathaus eingeladen. Was nach reiner Formsache aussah, entpuppte sich zum Eklat: Im Rathaus erwarteten 40 wütende Einwohner_innen ihre Ankunft. Die Bürger_innen der Kleinstadt machten ihre Bedenken über eine Bar in ihrer Stadt deutlich. Die Sexualität der Besitzerin und ihrer künftigen Gäste wurde nicht direkt angesprochen. Die Einwohner_innen reichten eine Petition gegen die Bar ein, da diese „den Bürgern keine Vorteile oder Verbesserungen“ bringe. Mit 4 zu 1 Stimmen wurde die Petition bewilligt. Newton erhielt keine Lizenz.

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Buzzfeed, auf dem Weg nach oben

Die amerikanische Webseite Buzzfeed bietet – teils seriöse, teils weniger seriöse – Nachrichteninhalte, gepaart mit Listicles über Katzenbabys, Horrorfilme und Boy Bands aus den 90ern. Während die 2006 gegründete Seite kontinuierlich wächst und schwarze Zahlen schreibt, hat die US-Medienlandschaft das Potential der Seite erkannt.

Buzzfeed berichtete exklusiv von Glenn Greenwalds Abgang beim Guardian.

Buzzfeed berichtete exklusiv von Glenn Greenwalds Abgang beim Guardian.

Zuletzt sorgte eine Meldung für viel Aufsehen, wonach Glenn Greenwald, Enthüllungsjournalist beim Guardian, das britische Traditionsblatt verlässt. Greenwald wurde vor allem durch die Zusammenarbeit mit Edward Snowden und den Publikationen zum NSA Skandal bekannt. Die Nachricht seines Wechsels gab weder sein bisheriger Arbeitgeber, noch ein anderer konventioneller Verlag bekannt: buzzfeed.com berichtete exklusiv und an aller erster Stelle von Greenwald’s Karriereschritt.  (mehr …)

San Francisco,


Das Geschäft mit der Sicherheit

Seit dem NSA-Skandal sorgen sich viele US-Bürger und Firmen um die Sicherheit ihrer Daten. Das bedeutet gleichzeitig volle Auftragsbücher für die Entwickler für Sicherheitssoftware. Die Branche profitiert vom Abhörskandal.

Fast täglich erscheinen neue Meldungen über die Abhörpraktiken von Geheimdiensten. Ein Thema, das mehr und mehr in den Fokus der amerikanischen Öffentlichkeit rückt – spätestens seit nun veröffentlichte Dokumente belegen, dass die NSA massiv die Privatsphäre tausender US-Bürger verletzt hat. Die wachsende Sorge der Amerikaner um die Sicherheit der eigenen Daten ist eine Medaille mit zwei Seiten, denn viele Softwarefirmen nutzen die Gelegenheit und profitieren von dem Abhörskandal: Mit neuen Cloud-Plattformen, Verschlüsselungsprogrammen oder externen Servern schlagen die Softwareentwickler Kapital aus dem beschädigten Sicherheitsgefühl von – privaten und geschäftlichen – Internetnutzern. Das Geschäft boomt.

Kaum eine Softwarefirma, die sich um Sicherheitsfragen kümmert, wächst so schnell wie Axcient. Das im kalifornischen Mountain View ansässige Unternehmen verspricht für seine Privat- und Geschäftskunden ein Rund-um-Sicherheitspaket aller Daten, in jedem Arbeitsschritt – von der einzelnen E-Mail bis zur Sicherung von großen Datensätzen. Zu den vielen Produkten von Axcient gehört unter anderem ein „Backup & Recovery“–System, das eine vollständige Sicherheit aller Kundendaten verspricht: Die auf einem abgelegten Server gespeicherten Files werden nochmals extra auf einem zweiten Server gesichert – ein Backup des Backups.
Wie gut das Sicherheitsgeschäft läuft, belegen die Umsatzzahlen: In den letzten drei Jahren ist der Absatz von
300 000 $ auf knapp zehn Millionen Dollar gestiegen. Zudem wurde Axcient im Juni mit dem prestigeträchtigen HP AllianceOne Partner of the Year Award ausgezeichnet.

Auch Start-Ups verdienen mit dem Sichern von Daten: Todd Thiemann, Vize-Boss des vor zwei Jahren gegründeten IT-Unternehmen PrivateCore, bloggt auf der eigenen Firmenhomepage über Edward Snowdens Enthüllungen und die staatliche Telekommunikationsüberwachung durch die NSA. Eine seiner Sicherheitslösungen ist vCage: Ein von PrivateCore entwickeltes Chiffrierungsprogramm, das Daten verschlüsselt und vor nicht autorisierten Zugriffen schützen soll. Ob die Software gegen PRISM und Co. resistent ist, bleibt offen. Dennoch spricht PrivateCores Erfolg für sich: Die Jury der Fachseite VentureBeat wählte das Silicon-Valley-Unternehmen aus mehreren hundert Bewerbern zum „Best Cloud Start-Up“.

Neben privaten Nutzern und Firmen sind zwischenzeitlich auch die Regierungsstellen in Washington im Cloud-Zeitalter angekommen: Die IQ Businessgroup, eine Consultingfirma, die sich um Softwarefragen kümmert, hat einen Vertrag mit dem Departement of the Interior ausgehandelt: Das US-Pendant zum deutschen Innenministerium zahlt der IQ Businessgroup 50 Millionen Dollar zur Sicherung seiner Daten.