Berlin,
Julian Heck ist Lokal- und Medienjournalist. Der Journalist aus Südhessen bei diversen Auftraggebern in Online- und Offline-Publikationen veröffentlicht und ist bundesweit als Dozent tätig. Im Institut für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) beschäftigt er sich mit Journalismus und Crowdfunding. Seine Blogs: ausgeheckt.com, lokalblogger.de, entrepreneurial-journalism.de. Auch auf Twitter (@julianheck) lässt er sich täglich aus.


5 Wünsche an Krautreporter

28 Journalisten möchten mit 15.000 Unterstützern beziehungsweise 900.000 Euro den kaputten Journalismus reparieren. So etwa könnte man das Projekt Krautreporter zusammenfassen. Klar, dass bei diesem ehrgeizigen Projekt Platz ist für Kritik – und zwar nicht gerade wenig.

Michalis Pantelouris zählt in seinem Blogbeitrag sehr anschaulich auf, mit welchen Kritikpunkten die Krautreporter zu kämpfen haben: „einem scheiß Namen, schlechter Technik, zu wenig Frauen, zu wenig Inhalt, zu wenig Journalisten mit Migrationshintergrund, (…), mangelndem Enthusiasmus“. Jede Menge also. Wie Thomas Knüwer („Verdammte Hacke, Krautreporter, begeistert Euch!“) spricht auch Dirk von Gehlen von fehlender Begeisterung und fordert: „Macht endlich Crowdfunding und hört auf, einfach nur Geld einzusammeln!“. Christoph Herwartz ist von dem Auftreten der Krautreporter dermaßen enttäuscht, dass er hierfür kein Geld ausgeben möchte: „Wenn die Texte der „Krautreporter“ so elitär herabschauend und so undifferenziert sind wie das Marketing, möchte ich keinen davon lesen. Und ich werde schon gar kein Geld dafür bezahlen.“

krautreporter logoSebastian Esser, Philipp Schwörbel und Co. lassen die Kritik nicht unbeachtet, nehmen sie auf und haben ihre Kampagne schon mehrfach angepasst. Sie und die anderen Krautreporter dürften inzwischen festgestellt haben, was auch Nils Müller formuliert: „Auf jeden Fall zeigt sich, dass selbst Pro­jekte, die einen offen­sicht­li­chen Nut­zen ver­spre­chen und von gut ver­netz­ten und im Netz eta­blier­ten Men­schen vor­an­ge­trie­ben wer­den keine Selbst­läu­fer sind.“ 

Damit die fehlenden fast 9.000 Unterstützer noch überzeugt werden, müssen die Krautreporter wohl noch einiges nachliefern. Statt bloß zu meckern, sollten die vielen Kritiker mal konkrete Vorschläge machen oder Wünsche äußern. Nachfolgend 5 Wünsche von mir an Krautreporter, damit sie das Crowdfunding erfolgreich abschließen und ihre Umsetzungsphase beginnen können.

  1. Werdet konkreter! Besseren Journalismus machen zu wollen, das kann jeder behaupten. Geht in Vorleistung und zeigt anhand einer oder zwei Geschichten, worauf sich Leser freuen dürfen.
  2. Arbeitet den Mehrwert heraus! Jeder wird eure Geschichten lesen können. Nur ein geringer Teil wird kommentieren wollen. Warum soll man Mitglied werden? Für was zahle ich gerne 60 Euro? Zugehörigkeitsgefühl? Features?
  3. Aktiviert euer Team! Alleine über die Krautreporter-Accounts Werbung zu machen, reicht nicht aus. Jeder Einzelne des 28-köpfigen Teams muss kontinuierlich für das Projekt werben und zeigen, dass er voll und ganz dahinter steht.
  4. Macht eine Kampagne! Die Crowdfunding-Phase ist kein Selbstläufer. Crowdfunding bedeutet Marketing. Marketing braucht ein Konzept. Guter Journalismus muss auch verkauft werden.
  5. Begeistert und seid begeistert! Menschen wollen begeistert werden, damit sie euch unterstützen. Neben einem guten Konzept braucht es auch ein begeistertes Team. Spaß und Überzeugung ist ansteckend.

3 KOMMENTARE , GEBE EINEN KOMMENTAR AB

  1. Pingback: Krautreporter – Es scheitert an der Einstellung | ausgeheckt

  2. Volle Zustimmung, Julian. Ich zähle mich auch zu einem der heftigsten Kritiker des Projekts.

    Als ich das allererste Mal im Heute Journal davon Wind bekommen habe, dachte ich noch: Boah ey, eigentlich übelst mutig, ein solches Projekt unter einem so beknackten Namen voranzutreiben. Andererseits hat natürlich genau das auch bei mir Aufmerksamkeit erzeugt. Dass das auch anderen Leuten so ging haben die Reaktionen der ersten Tage durchaus gezeigt.

    Als dann aber konkrete Nachfragen und kritische Anmerkungen zu einzelnen Punkten aufgekommen sind (neben deinen genannten Punkten auch solche Fragen nach der geplanten Mittelverwendung, die zwar mittlerweile ansatzweise dokumentiert wird – die Verquickung Sebastian Essers als Geschäftsführer von Sparker als Zahlungsabwickler für die Krautreporter, denen er gleichzeitig auch vorsteht grenzt für mich schon nah an betrügerische Machenschaften), waren die Krautreporter arg wortkarg oder haben teils befremdlich anmutende Antworten gegeben.

    Das hat die digitale Zivilgesellschaft dazu gebracht, sie schnell links liegen zu lassen. Und nur diese digitale Zivilgesellschaft kann nach Lage der Dinge ein solches Projekt nachhaltig stützen, wenn sie davon nachhaltig überzeugt werden kann. Für die „Normalos“ wurde hingegen das Pulver zu schnell verschossen, sie hätten die Berichterstattung in den verschiedenen Medien schlicht über einen längeren Zeitraum strecken müssen, ich denke, sie hätten dafür durchaus gute Voraussetzungen gehabt.

    Sei es, wie es sei, ich glaube auch nicht, dass die Krautreporter noch die Kurve kriegen – es sei denn, sie haben wirklich noch einen Giftpfeil im Köcher, der ihnen zum Ende des Funding-Zeitraums nochmal einen Schub gibt.

  3. Hallo Julian,
    vielen Dank für die Wünsche und die konstruktive Art, wie du sie formulierst. Wir nehmen das ernst und arbeiten alle daran, die vielen Anregungen von außen umzusetzen.